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Wahl des Bundespräsidenten : Vier gegen Steinmeier

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Die Wahl von Frank-Walter Steinmeier zum Bundespräsidenten gilt als ausgemacht. Aber es gibt vier andere Kandidaten, die am Sonntag antreten. Dazu zählen ein TV-Richter und der Vater von Satiriker Martin Sonneborn.

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          Am Sonntag wählt die Bundesversammlung in Berlin den nächsten Bundespräsidenten. Frank-Walter Steinmeier, 61, bislang Außenminister, gilt als aussichtsreichster Kandidat. Der SPD-Politiker wird unterstützt von CDU/CSU, SPD, Grünen und FDP. Doch es gibt noch andere Kandidaten, vier insgesamt.

          Christoph Butterwegge (66), Kandidat Die Linke

          Der Armutsforscher und Politikwissenschaftler ist der Kandidat der Linkspartei. Diese lehnt Steinmeier unter anderem wegen seiner Haltung zur Agenda 2010 ab. Butterwegge war in den 1970er Jahren bei den Jusos und anschließend Mitglied der SPD. Aus Protest gegen deren Sozialpolitik verließ er 2005 die Partei. Der Linkspartei steht er politisch nahe, ist aber kein Mitglied.

          Butterwege war bis zu seinem Ruhestand im Oktober Professor für Politikwissenschaft an der Universität zu Köln, Mitglied der Forschungsstelle für interkulturelle Studien und hat zahlreiche Bücher zu den Themen Armut und Sozialstaat verfasst. Der Verfechter einer Bürgersozialversicherung prangert vor allem eine wachsende Kluft zwischen Arm und Reich an und wünscht sich eine Aufbruchstimmung sowie mehr gesellschaftliches Engagement.

          Der Anti-Steinmeier: Lesen Sie hier ein umfangreiches F.A.Z.-Portrait des Kandidaten der Linkspartei

          Albrecht Glaser (75), Kandidat AfD

          Auch der Kandidat der AfD hat seine ehemalige Parteizugehörigkeit aufgegeben. Glaser war von 1970 bis 2012 Mitglied der CDU und als solches Stadtkämmerer in Frankfurt am Main. In dieser Zeit machte vor allem sein Kauf von Aktienfonds aus Steuergeldern Schlagzeilen. Durch die Spekulation mit den „Glaser-Fonds“ entstand der Stadt Berichten zufolge ein Schaden in dreistelliger Millionenhöhe.

          2013 entschied sich Glaser, der Alternative für Deutschland (AfD) beizutreten. Als 30. Mitglied überhaupt war er an der Gründung der Partei mitbeteiligt und ist aktuell Vize-Bundesvorsitzender. Wie er in einem „Welt“-Interview jüngst erklärte, muss der Präsident sich aus seiner Sicht „ein bisschen als Volkstribun“ verstehen.

          Glasers Welt: Lesen Sie hier ein umfangreiches F.A.S.-Portrait des AfD-Kandidaten

          TV-Richter Alexander Hold

          Alexander Hold (54), Kandidat der Freien Wähler

          Die Freien Wähler des Bayerischen Landtags stellen bei der diesjährigen Bundespräsidentenwahl einen eigenen Kandidaten. Nominiert wurde der Jurist Hold, der selbst bei der Bundesversammlung dabei sein wird. Der Schwabe aus Kempten im Allgäu ist Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler im Stadtrat seiner Heimatstadt.

          Bekanntheit erlangte der Jurist durch die TV-Gerichtsshow „Richter Alexander Hold“ und die Fernsehserie „Im Namen der Gerechtigkeit“. In beiden Sat1-Produktionen werden fiktive Prozesse und juristische Streitigkeiten „möglichst originalgetreu“ dargestellt. Über die Engagements hinaus war Hold bereits in zahlreichen Talkshows zu sehen, war Gastdarsteller in Fernsehproduktionen und hat selbst moderiert, etwas das „Red Bull Air Race“.

          Hold selbst bewertet seine Wahlchance „realistisch“, wie er jüngst in einem Interview erklärte. „Wenn man in Deutschland allerdings den Bundespräsidenten direkt wählen könnte, dann hätte ich bessere Chancen.“

          Engelbert Sonneborn (78), Kandidat Die Partei

          Als Kandidat der Piratenpartei geht der Vater des EU-Abgeordneten und Satirikers Martin Sonneborn ins Rennen. Die Aktion soll das Vorgehen der etablierten Parteien aufs Korn nehmen. „Herrschende Parteien wickeln ihre Tauschgeschäfte ganz ungeniert in aller Öffentlichkeit ab", erklärt Piraten-Chef Patrick Schiffer. Der 78 Jahre alte Sonneborn habe „ausreichend Zeit für repräsentative Aufgaben“, fügte er hinzu.

          Mein Vater könnte das: In einem Gastbeitrag in der F.A.S. hält Satiriker und EU-Politiker Martin Sonneborn ein Plädoyer für seinen Vater als Bundespräsident. Lesen Sie hier den gesamten Text.

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