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Wählerumfragen : SPD und Steinmeier an einem Tiefpunkt

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.-Greser&Lenz

Nach ihrem Debakel bei der Europawahl bricht die SPD auch in Meinungsumfragen ein. Bei ARD und ZDF kommen die Sozialdemokraten in der Sonntagsfrage nur noch auf 25 Prozent, die Union legt zu. Kanzlerkandidat Steinmeier verliert gegenüber Amtsinhaberin Merkel weiter an Boden.

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          Eine Woche nach dem von der SPD-Führung als enttäuschend empfundenen Abschneiden bei der Europa-Wahl hält die SPD an diesem Sonntag ihren Wahlparteitag ab. Auf dem Kongress in Berlin wird das Wahlprogramm für die Bundestagswahl im September beschlossen. Eine streitige Auseinandersetzung darüber wird nicht erwartet, zumal sich nach der Europa-Wahl auch die Umfragewerte für die SPD noch einmal verschlechterten. In der Sonntagsfrage des ZDF verlor die Partei drei, in der der ARD zwei Prozentpunkte.

          Auch SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier verliert in der Wählergunst deutlich an Zustimmung. Könnten die Deutschen den Regierungschef direkt wählen, würden sich 60 Prozent für Amtsinhaberin Angela Merkel (plus 7 im Vergleich zum Vormonat) und 27 Prozent für den Außenminister (minus 7) entscheiden, wie der ARD-Deutschlandtrend ergab. Dies sei der niedrigste Wert für Steinmeier seit der Ausrufung seiner Kanzlerkandidatur im September 2008. Zugleich sei der Abstand zwischen Frau Merkel und ihrem Herausforderer so groß wie noch nie zuvor im Deutschlandtrend.

          Auch bei der Politikerzufriedenheit muss Steinmeier Einbußen hinnehmen. Mit seiner Arbeit sind 63 Prozent zufrieden, das sind fünf Punkte weniger im Vergleich zum Vormonat. Beliebteste Parteipolitikerin ist unverändert die CDU-Vorsitzende Merkel, die demnach auf 68 Prozent Zustimmung kommt (minus 1). Auf Platz 3 der Beliebtheitsliste folgt Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), mit dessen Arbeit 61 Prozent zufrieden sind. Guttenberg gewinnt damit im Vergleich zum Vormonat zehn Punkte hinzu und erreicht den besten Wert, der je für einen Wirtschaftsminister im Deutschlandtrend gemessen wurde.

          Sonntagsfrage: Union und FDP hätten rechnerische Mehrheit

          Wäre am kommenden Sonntag Bundestagswahl, erhielten die Unionsparteien in der ARD-Umfrage 36 Prozent der Stimmen und damit zwei Punkte mehr als im Vormonat. Die SPD verliert demnach zwei Punkte und kommt auf 25 Prozent. Die FDP liegt unverändert bei 14 Prozent. Die Linke verliert einen Punkt und kommt nunmehr auf neun Prozent. Die Grünen legen um zwei Punkte zu und erreichen 13 Prozent. Union und FDP hätten damit zusammen eine rechnerische Mehrheit von 50 Prozent.

          Im ZDF-Politbarometer sind die Einbußen für die SPD sogar noch deutlicher. Die Sozialdemokraten verloren im Vergleich zu Ende Mai 8 Punkte und erreichten nur noch 22 Prozent. Die Union verbesserte sich leicht um 2 Punkte auf 40 Prozent. Wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre, käme die SPD auf 25 Prozent (minus 3 Prozentpunkte), während die Union 37 Prozent (plus 1 Punkt) der Wählerstimmen bekäme. Einen deutlichen Zuwachs verzeichnet auch die FDP, die in der politischen Stimmung 5 Punkte auf 14 Prozent hinzugewinnt, während sich die Grünen um einen Punkt auf 12 Prozent verbessern konnten. Die Linke sinkt erneut um einen Punkt auf 6 Prozent.

          Hohe Erwartungen an Steinmeier

          Im Mittelpunkt des Parteitages soll nach den Planungen die Rede Steinmeiers stehen. An sie werden von SPD-Politikern hohe Anforderungen gerichtet. Steinmeier müsse der Partei, in diesem Falle zunächst den Delegierten, wieder Mut machen. Er müsse die SPD wieder aufrichten. Steinmeiers Rede soll möglicherweise länger als eine Stunde dauern, hieß es am Freitag. Weitere Redner werden der SPD-Vorsitzende Müntefering und Arbeitsminister Scholz sein.

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