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Neuer DBK-Vorsitzender Bätzing : Ein entschiedener Befürworter des „Synodalen Wegs“

Georg Bätzing, Bischof von Limburg, ist neuer Vorsitzender der Bischofskonferenz. Bild: Ricardo Wiesinger

Dass auch der scheidende Vorsitzende Reinhard Kardinal Marx für ihn geworben hatte, schadete Georg Bätzing nicht. Ihm trauen die Bischöfe zu, dass er die vielen strittigen Themen so moderiert, dass alle Ansichten gehört werden.

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          Wie vor jeder Vollversammlung der Bischofskonferenz trafen sich auch vor der diesjährigen Frühjahrsvollversammlung in Mainz die Orts- und Weihbischöfe der im Südwesten Deutschlands gelegenen Diözesen zu einem Gedankenaustausch. Vor vielen Jahren ging von einigen Mitgliedern dieses Kreises ein folgenschwerer Impuls aus: 1993 warben die Bischöfe von Freiburg, Rottenburg-Stuttgart und Mainz in einem Hirtenwort für einen neuen Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen. Es brauchte mehr als 20 Jahre und einen Papst Franziskus in Rom, ehe sich die Mehrzahl der Bischöfe in Deutschland dieses Anliegen zu eigen machte. 

          Daniel Deckers
          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Jetzt aber dauerte es drei Tage, und der Ton, der während dieser Zusammenkunft gesetzt worden war, fand unter den annähernd 70 Mitgliedern der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) Resonanz. Am Dienstagvormittag wählten sie den im Südwesten favorisierten Kandidaten zu ihrem Vorsitzenden: Georg Bätzing, den Bischof von Limburg.

          Dass auch der scheidende Vorsitzende Reinhard Kardinal Marx für Bätzing geworben hatte, hatte dem heute 58 Jahre alten Geistlichen nicht geschadet. Beide schätzen sich seit Jahren. Während Marx Bischof von Trier war, hatte Bätzing das dortige Priesterseminar geleitet und im Kreis der Regenten Kontakte in viele andere Bistümer geknüpft: Manch einer der vielen anderen jüngeren Bischöfe kennt ihn aus dieser Zeit. Andere hatten ihn seit 2012 als Generalvikar von Marxens Nachfolger Stefan Ackermann kennengelernt – und seit 2016 als Nachfolger des an Machtmissbrauch gescheiterten Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst.

          Erst konfliktscheu, später entschieden

          Doch so entschieden wie in den beiden vergangenen Jahren kannte den stets freundlichen und kommunikativen Geistlichen kaum jemand. Seine ersten Gehversuche als Bischof von Limburg waren von Zurückhaltung, wenn nicht Konfliktscheu geprägt, zumindest im Umgang mit den personellen und mentalen Hinterlassenschaften seines Vorgängers. Doch spätestens mit der Veröffentlichung der MHG-Studie über sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche in Deutschland war auch ihm klar, dass es ein „Weiter so“ nicht geben kann.

          Bätzing zählte im vergangenen Jahr nicht nur zu den entschiedensten Befürwortern des „Synodalen Wegs“, auf dem die Bischöfe gemeinsam mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) Reformen der kirchlichen Lehre und Disziplin in Aussicht nehmen. Er ließ sich auch seitens der Bischofskonferenz für die Leitung des äußerst konfliktträchtigen Forums „Sexualmoral“ gewinnen. Dabei gibt es für ihn längst keine Zweifel mehr daran, dass die kirchliche Lehre im Blick auf Partnerschaft und Sexualität weiterentwickelt werden muss, um angesichts der Lebens- und Glaubenserfahrung vieler Zeitgenossen anschlussfähig zu werden.

          Dass er damit für die Mehrheit der Bischöfe hierzulande spricht, ist nicht gesagt. Trotzdem erhielt er auch Stimmen aus der Riege derer, die seine Ansichten nicht teilen. Aber der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck, der sich ebenfalls Hoffnungen auf das Amt des Vorsitzenden machen konnte, ist noch um einiges radikaler und auch politischer als sein Mitbruder aus Limburg. Und Bätzing, 1961 in Kirchen an der Grenze zwischen Westerwald und Siegerland geboren, trauen alle zu, die Konferenz und auch den Synodalen Weg so moderieren, dass in den vielen strittigen Themen über dem Pro auch das jeweilige Contra zu seinem Recht kommt. 

          Bild: dpa

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