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Vorfälle bei der Bundeswehr : Guttenberg setzt „Gorch Fock“-Kommandanten ab

  • Aktualisiert am

Heftig in der Kritik: Verteidigungsminister zu Guttenberg (CSU) Bild: dpa

Verteidigungsminister zu Guttenberg hat nach den Vorfällen auf der „Gorch Fock“ den Kommandanten des Schiffs absetzen lassen und die Rückkehr des Dreimasters nach Deutschland angeordnet. Der Wehrbeauftragte lobt die Entscheidung - doch die Opposition fordert persönliche Konsequenzen vom Minister.

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          Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat die Absetzung des „Gorch Fock“-Kommandanten Norbert Schatz gerechtfertigt. „Nach einer derartigen Häufung von faktisch erschütternden Berichten kann niemand zur Tagesordnung übergehen“, sagte der CSU-Politiker am Samstag. „Dort, wo Konsequenzen gezogen wurden, mussten sie gezogen werden“, fügte er hinzu.

          Guttenberg äußerte sich im Zentrum Innere Führung der Bundeswehr in Koblenz. Weiter sagte der Minister: „Bei einer solchen Gemengelage muss Aufklärung so stattfinden, dass Ergebnisse möglich sind.“ Zur Aussetzung weiterer „Gorch Fock“-Fahrten sagte er, diese gelte, bis die eingesetzte Untersuchungskommission ausgewertet habe, „wie und ob“ es mit dem Ausbildungsschiff weitergehe. „Ich sage dies bewusst mit Blick auf die große Tradition des Schiffes“, fügte Guttenberg hinzu.

          Nach Rückkehr in den deutschen Heimathafen solle das Schiff auch bis auf weiteres nicht mehr auslaufen. Die „Gorch Fock“ werde aus der Fahrbereitschaft genommen, „bis eine noch einzusetzende Kommission auch unter Mitwirkung von Abgeordneten des Deutschen Bundestags beurteilt hat, inwieweit die „Gorch Fock“ als Ausbildungsschiff und Botschafterin Deutschlands auf den Weltmeeren Zukunft hat“, sagte Guttenberg. Vorangegangen waren Berichte über Verfehlungen an Bord des Schulschiffs: So sollen Mitglieder der Stammbesatzung Kadetten drangsaliert haben. Vier Auszubildenden soll einem Bericht des Wehrbeauftragten Hellmut Königshaus zufolge Meuterei vorgeworfen worden sein.

          Vorfälle bei der Bundeswehr : Guttenberg setzt „Gorch Fock“-Kommandanten ab

          Wehrbeauftragter: Richtige Entscheidung

          Der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus (FDP) begrüßte die Entscheidung zu Guttenbergs. „Es ist schon aus Fürsorgegründen die richtige Entscheidung, dass die Gorch Fock schnellstmöglich nach Deutschland zurückkehrt, vorerst aus der Fahrbereitschaft genommen wird und alle Fragen umfassend geklärt werden sollen“, sagte Königshaus der Zeitung „Bild am Sonntag“. “Ich begrüße es, dass der Minister sich der Sache so schnell angenommen hat.“ Skeptisch äußerte sich Königshaus zu einer möglichen Stilllegung des Segelschulschiffs: “Die Frage, ob die Gorch Fock grundsätzlich außer Dienst gestellt wird, bedarf einer gründlichen Abwägung. Hier sollten jetzt keine voreiligen Schlüsse gezogen werden.“

          Auch der Chef des Bundeswehrverbandes, Ulrich Kirsch, hält die Absetzung des Kommandanten der „Gorch Fock“ für einen richtigen Schritt. Wenn jemand so in der Kritik stehe, dann sei das Vertrauensverhältnis derart belastet, dass es günstiger sei, „ihn aus der Verantwortung zu nehmen“, sagte Kirsch am Samstag dem Sender MDR Info. Anschließend müssten die Dinge allerdings genau analysiert werden, „um dann die richtigen Schlüsse ziehen zu können“. Kirsch mahnte jedoch an, „ein wenig Vorsicht walten zu lassen, was Vorverurteilungen angeht.“ Auch die Entscheidung, das Segelschulschiff sofort von Argentinien nach Deutschland zu beordern, ist für Kirsch korrekt. Es lasse sich in Deutschland besser besprechen, was es zu besprechen gibt. Zur Zukunft der „Gorch Fock“ müsse nach Kirschs Ansicht nun analysiert werden, ob die Ausbildung der Offiziersanwärter so noch zeitgemäß sei. Er halte es aber für „ganz fatal, wenn es dieses Segelschulschiff irgendwann nicht mehr geben sollte.“

          Im November war eine 25-jährige Offiziersanwärterin aus der Takelage in den Tod gestürzt. Gegen vier Kadetten steht der Vorwurf der Meuterei im Raum. Die trauernden Kameraden sollen gedrängt worden sein, wieder in die Masten zu klettern, obwohl sie das nach dem Unglück nicht mehr wollten. Außerdem soll es zu sexuellen Übergriffen gekommen sein. Nach ARD-Informationen wurde Kapitän Schatz telefonisch über seine Abberufung informiert. Die „Gorch Fock“, die derzeit im argentinischen Hafen von Ushuaia auf Feuerland liegt, werde voraussichtlich am 4. Februar auslaufen und auf direktem Weg nach Kiel zurückkehren.

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