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Vorfälle auf der „Gorch-Fock“ : Bericht: Vorwürfe gegen Schiffsführung haltlos

Das Segelschulschiff  „Gorch Fock”
          2 Min.

          Die von der Marineführung eingesetzte Kommission, welche die Vorgänge auf dem Segelschulschiff „Gorch Fock“ vom vergangenen Herbst untersucht hat, sieht die gegen Stammbesatzung und Schiffsführung erhobenen Vorwürfe im wesentlichen als haltlos an. Die Vorwürfe hätten sich „zum großen Teil als nicht haltbar erwiesen“, heißt es im Resümee des Kommissionsberichts, der am Wochenende dem Verteidigungsausschuss des Bundestages zugegangen ist. „Soweit Vorwürfe in Teilen bestätigt werden konnten, besaßen diese hingegen bei weitem nicht die Qualität, die ihnen ursprünglich zugewiesen worden ist.“

          Stephan Löwenstein
          Politischer Korrespondent mit Sitz in Wien.

          Ob der Kommandant des Schiffes, Kapitän Schatz, der unter dem früheren Verteidigungsminister zu Guttenberg (CSU) von seinen Pflichten entbunden und nach Hause geschickt worden war, wiedereingesetzt wird, ließ das Verteidigungsministerium am Montag offen. Ein Sprecher machte aber deutlich, dass der neue Minister, de Maizière (CDU), sich anders als Guttenberg nicht selbst mit der Sache befassen wird, sondern die zuständigen Hierarchieebenen, also der Inspekteur der Marine. „Gehen Sie nicht davon aus, dass die Mechanismen, die in der Zeit zu Guttenberg gegriffen haben, auch in der Zeit de Maizière greifen werden“, sagte der Sprecher.

          Vorwürfe beruhten oft auf Missverständnissen

          Die Kommission unter Konteradmiral Koletschke hatte sowohl die Offizieranwärter der Crew VI/2010 befragt als auch die Mitglieder der Stammbesatzung, die die Kadetten während ihrer Zeit auf der „Gorch Fock“ auszubilden und anzuleiten hat. Eine Offizieranwärterin aus dieser Crew war am 7. November 2010 aus der Takelage des Segelschiffs gestürzt und ihren Verletzungen erlegen. In der Folge traten so starke Spannungen zwischen Stammbesatzung und Offizieranwärtern auf, dass die Ausbildung am 16. November abgebrochen wurde und die Kadetten nach Hause geschickt wurden. Der Wehrbeauftragte des Bundestages unterrichtete im Januar den Verteidigungsausschuss und das Verteidigungsministerium über schwere Vorwürfe in Eingaben einiger Heimkehrer.

          Ohne alten Kapitän : Gorch Fock auf dem Heimweg

          Diese Vorwürfe, nicht die Umstände des Unfalls, waren Untersuchungsgegenstand der Koletschke-Kommission. In deren Bericht heißt es, es habe sich kein Nachweis dafür ergeben, dass die Besatzung unzulässig Druck ausgeübt habe, um die Kadetten zum Aufstieg in die Takelage zu bewegen – weder vor noch nach dem Unfall. In einem Fall, in dem ein Wachführer einem Offizieranwärter damit gedroht habe, er werde heimgeschickt, sei der Ausbilder deswegen selbst von Bord geschickt worden.

          Auch andere Vorwürfe haben sich laut Bericht nicht erhärten lassen, sondern beruhten oft auf Missverständnissen. So haben Anwärter eine engere Betreuung durch die Offiziere an Bord vermisst. Es sei aber Grundsatz, dass die Kadetten als einfache Matrosen an Bord durch ihre nächsthöheren Vorgesetzten angeleitet werden – anders, als sie es zuvor auf der Marineschule erlebt hätten. Auf der Marineschule seien offenbar auch – wiederum nicht zu bestätigende – Gerüchte über besonders harte Ausbildung oder sexuelle Übergriffe gestreut worden, die die Kadetten negativ beeinflusst hätten.

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