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Zwischen Pest und Corona : Vor Weihnachten zu Kreuze kriechen

Einsame Weihnacht: Frankfurts Weihnachtsbaum „Bertl“ Bild: Hannah Aders

Der November-Lockdown war zu schwach. Im Kampf gegen die ausufernde Pandemie kommt jetzt keiner der Ministerpräsidenten mehr am „Hammer“ vorbei.

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          Zwei Wochen vor Weihnachten müssten manche zu Kreuze kriechen: jene Politiker und Parteien, die im Herbst die Warnungen vor einer sich abermals auftürmenden Corona-Welle als Panikmache, wenn nicht gar als Belege für eine „Corona-Diktatur“ verunglimpft hatten. Der Vorwurf der Übertreibung war insbesondere der Bundeskanzlerin gemacht worden, deren Befürchtungen jetzt sogar noch übertroffen wurden. Im Angesicht einer Pandemie, die völlig außer Kontrolle zu geraten droht, fordern nun auch jene Ministerpräsidenten und Ministerpräsidentinnen ein schnelles, drastisches und bundesweites Herunterfahren des öffentlichen und privaten Lebens, die das ihren Bürgern und Betrieben bisher nicht zumuten wollten.

          Für dieses Zögern gab es durchaus Gründe. Ein „Lockdown“ greift massiv in die Grundrechte ein. Er verursacht schwere Schäden in der Wirtschaft. Um das Schlimmste zu verhindern, verschuldet der Staat sich in astronomischer Höhe. Da wird, anders als die AfD jetzt wieder tönt und höhnt, kein Regierungschef, der in einer solchen Lage nur zwischen Pest und Corona wählen kann, leichten Herzens zum „Wiederholungstäter“. Doch die Hoffnung, der Seuche schon mit den Beschränkungen des „November-Lockdowns“ Herr zu werden, hat getrogen. Die Maßnahmen gingen nicht weit genug. Und die Bereitschaft der Bevölkerung, sich an die Schutzregeln zu halten, auch an die ungeschriebenen, hat nachgelassen.

          Den Preis dafür haben nun nicht nur die Geschäftsleute zu zahlen, die in der umsatzstärksten Zeit ihre Läden zusperren müssen. Doch am „Hammer“ kommt man bei der Seuchenbekämpfung jetzt nicht mehr vorbei. So bedrückend diese Erkenntnis wie auch die Hartnäckigkeit dieser Pandemie sind: Dank der Erfolge der Impfstoffentwickler besteht die Hoffnung, dass dies das einzige Weihnachten im Schatten der Corona-Pandemie ist und bleibt. Nun gilt es, alles dafür zu tun, dass möglichst viele Menschen in einem Jahr wieder ein Weihnachtsfest begehen können, wie es war, bevor diese Geißel der Menschheit in die Welt kam.

          Berthold Kohler
          (bko.), Herausgeber

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