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AfD kritisiert Kirche : Zur Rechten Gottes

Protest im Dunkeln: AfD-Anhänger müssen im Oktober 2015 vor einem dunklen Erfurter Dom demonstrieren – der katholische Bischof Ulrich Neymeyr ordnete das Ausbleiben der Lichter als Protestzeichen an. Bild: Picture-Alliance

Die AfD und die Kirche verbindet die gegenseitige Abneigung. Vor dem Evangelischen Kirchentag und den drei Landtagswahlen im Osten stellt sich die Partei nun mit noch mehr Verve gegen die christlichen Würdenträger.

          Als im Februar 2016 eine Demonstration des thüringischen AfD-Vorsitzenden Björn Höcke durch Erfurt zog, blieben die Lichter des Doms ausgeschaltet – auf Anweisung des katholischen Bischofs Ulrich Neymeyr. Es sollte ein stummer Protest gegen die AfD sein, und in einem Beitrag im Deutschandfunk konnte man hören, wie unter den Demonstranten gesprochen wurde. Dass die „Funktionsträger“ der Kirche genauso „verrottet“ seien „wie die Politiker in unserem Staat“, zum Beispiel. Ein anderer schrie: „Hängt dem Pfaffen seine Eier an die ,Gloriosa‘“ – gemeint war die große Glocke im Dom.

          Justus Bender

          Redakteur in der Politik.

          Reinhard Bingener

          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          Das Verhältnis der AfD zu den Kirchen war nie von Zärtlichkeiten geprägt. Es standen sich Lebenswelten gegenüber, hier die in der Flüchtlingshilfe aktiven Kirchen, dort AfD-Funktionäre, die über den Schusswaffeneinsatz an der Grenze nachdachten. Der Widerstand der Kirchen störte die AfD von Anfang an, weil er aus dem Kern jener Kultur kam, den die AfD gegen ausländische, muslimische Einflüsse zu verteidigen vorgab. Vor dem Evangelischen Kirchentag in der kommenden Woche und den Landtagswahlen im Osten im Herbst war für die AfD am Dienstag wieder einmal die Zeit für eine Generalabrechnung gekommen. Gemeinsam stellten die AfD-Fraktionen von Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen ein Papier vor, in dem sie der evangelischen Kirche schwere Vorwürfe machten.

          „Unheilige Allianz“ durchweg durch die Geschichte?

          In dem 49 Seiten langen Papier wird unterstellt, die Kirche sei in ihrer Geschichte immer wieder eine „unheilige Allianz“ mit den Mächtigen eingegangen. Diese Spur verfolgt die AfD von der Monarchie über die Zeit des Nationalsozialismus bis zur Kanzlerschaft Angela Merkels. Den Ausgangspunkt des protestantischen Bündnisses mit den Machthabern erkennt die AfD darin, dass „die Reformation“ im 16. Jahrhundert das landesherrliche Kirchenregiment etabliert habe. Die allmähliche Verselbständigung der Kirchenverwaltungen im 19. Jahrhundert sowie die gesamte verfassungsrechtliche Entwicklung vom Westfälischen Frieden über die Paulskirchenverfassung bis hin zur Weimarer Reichsverfassung lässt die Partei in ihrem Papier unberücksichtigt. Stattdessen hebt die AfD darauf ab, dass schon vor der Machtergreifung Hitlers in der evangelischen Kirche „antidemokratisches, antisemitisches und rassistisches Denken“ verbreitet gewesen sei. Das entspricht auch dem Forschungsstand, widerspricht zumindest für die Weimarer Zeit der Ausgangshypothese, dass die Kirche stets die jeweils Mächtigen gestützt habe.

          Mit Blick auf die NS-Zeit erkennt die AfD eine massive Politisierung der Kirche im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie. Die AfD hätte sich gewünscht, dass die damaligen Kirchenführer stattdessen der Parole „Kirche muss Kirche bleiben“ gefolgt wären, wie sie von der Bekennenden Kirche vertreten worden sei.

          Tatsächlich war innerhalb der Bekennenden Kirche höchst umstritten, wie man der Vereinnahmung durch den Nationalsozialismus entgegentreten kann und inwieweit dazu offener Widerstand erforderlich ist. Ähnliche Debatten gab es später auch in den evangelischen Kirchen der DDR. Das AfD-Papier nennt diverse Verstrickungen von Kirchenführern und zählt die evangelische Kirche zu den ausdrücklichen Stützen des SED-Regimes. Auch die AfD kann freilich nicht gänzlich unerwähnt lassen, dass sich im Raum der Kirchen viele der Protestbewegungen entwickelten, die später den Sturz des Regimes herbeiführten. Die Frage, wie das zur These einer Allianz mit den Mächtigen passt, stellt sie nicht.

          AfD fühlt sich von Theologen benachteiligt

          Stattdessen wird der evangelischen Kirche vorgeworfen, dass sie nach dem Bündnis mit den Fürsten, Kaisern, Führern und Staatsratsratsvorsitzenden nun „mit dem linksgrünen Zeitgeist“ paktiert. Als Beleg wird die „Bibel in gerechter Sprache“ herangezogen. Obwohl diese Bibelausgabe innerhalb der EKD von Anfang umstritten war und in der Praxis nur höchst selten verwendet wird, wird sie von der AfD mit der Anpassung von Bibeltexten durch Reichsbischof Ludwig Müller im Jahr 1936 verglichen.

          Als Teil des Bündnisses mit den Mächtigen sieht die AfD auch die evangelischen Stellungnahmen zur Migrationspolitik und die Spenden der EKD für Seenotretter im Mittelmeer. Unerwähnt bleibt, dass die katholische Kirche die exakt gleiche Position vertritt, ebenfalls spendet und beide Kirchen aufgrund ihres Kurses zahlreiche Austritte hinzunehmen haben. Ausführlich geht die AfD auch auf das „ökopopulistische Klimacredo der Kirche“ ein, das in der EKD zu einem „neuen Glaubensbekenntnis“ geworden sei. Dabei spielen laut AfD nicht zuletzt monetäre Gründe eine Rolle, weil die evangelische Kirche mitunter ihren Grundbesitz an Windkraftbetreiber verpachtet.

          Vor allem beklagt die AfD jedoch, dass sie das Bündnis der evangelischen Kirche mit den Mächtigen am eigenen Leib zu spüren bekommt. Als Beispiel wird die Kritik an der AfD von prominenten Theologen wie Margot Käßmann angeführt. Außer Acht bleibt hierbei, dass sich gerade Käßmann, wie auch immer man zur früheren EKD-Ratsvorsitzenden steht, immer wieder kritisch mit den Positionen der CDU beschäftigt hat, während diese die Bundeskanzlerin stellte und so kaum als Beispiel für ein Bündnis mit den jeweils Mächtigen taugt.

          Die AfD hingegen sieht sich in ihrer Kirchenkritik im Bund mit dem Allmächtigen. Im Jahr 2017 sprach der heutige Bundestagsabgeordnete Armin-Paul Hampel auf einem Parteitag in Köln. Kirchenvertreter hatten unter dem Motto „Unser Kreuz hat keine Haken“ gegen die AfD demonstriert. Hampel kochte. Er glaube daran, rief er, „dass ich eines Tages da oben vor dem Allmächtigen Rechenschaft ablegen muss auch über die Zugehörigkeit zu einer Organisation, die längst das Wort ,christlich‘ aus ihrem Namen streichen sollte, weil sie das Christentum nicht mehr vertritt“. Mit ihrer „Agitation“ hätten die Kirchen die christliche „Botschaft der Liebe“ in ihr Gegenteil verkehrt. AfD-Anhängern bleibe nur der Kirchenaustritt, rief Hampel. Seine Zuhörer jubelten.

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