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Vor Bürgerschaftswahl : Hamburger Nebelkämpfe

Will für „eine echte Verkehrswende, eine mutigere Wirtschaftspolitik und mehr Bürgerrechte“ streiten: die Grünen-Spitzenkandidatin Katharina Fegebank Bild: Lucas Wahl

Vor der Bürgerschaftswahl ändern die Grünen in Hamburg ihren Kurs: Sie wollen das Vermummungsverbot bei Demonstrationen nun doch nicht mehr aufweichen. Auch sonst schaut die Berliner Politik gespannt auf die Hansestadt: Ein knappes Duell deutet sich an.

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          Von der Bühne ist nicht viel zu sehen, dichter Nebel hat sich über Hamburg gelegt. Ein paar Wohnblöcke, ein paar Container im Hafen und ein Kirchturm zeichnen sich ab. Peter Tschentscher, der Erste Bürgermeister der Freien und Hansestadt, nimmt es gelassen. Man sehe von Hamburg, was man bei so einem Wetter eben sehe, sagt er. Die SPD hat zur Präsentation ihrer Wahlkampfplakate in einen alten Flakbunker geladen, der sich heute „Energiebunker“ nennt, weil dort aus erneuerbaren Energien Strom und Wärme produziert wird. Man soll von hier aus einen tollen Ausblick haben, einmal rundherum auf die Stadt. Das sollte eine Botschaft sein. Hinter den Panoramafenstern ist es nun aber grauweiß und davor stehen die eingehüllten Plakate. Tschentscher spricht ein paar Wahlkampfsätze, bevor er das erste Plakat enthüllt: ein großer Tschentscher-Kopf schaut den Hamburgern ganz tief in die Augen: „Die ganze Stadt im Blick“, steht darauf. Zumindest wenn der Nebel sich gelegt hat. Der Wahlkampf hat begonnen.

          Matthias Wyssuwa

          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          Auf der Hamburger Bühne wird in diesen Wochen ein Stück gegeben, bei dem die Rollen lange schon verteilt, die Charaktere klar umrissen schienen. Da sind jene, die nur als Nebendarsteller auftreten dürfen, wie der Spitzenkandidat der CDU, Marcus Weinberg, oder jene von der FDP, Anna von Treuenfels-Frowein. Um das Amt des Bürgermeisters kämpfen sie nicht, weil sie weit abgeschlagen sind. Aber sie hoffen, dass sie nach dem Wahltag noch einen Auftritt bekommen. Und da sind die Hauptdarsteller, Tschentscher und seine Herausforderin, Katharina Fegebank von den Grünen. Der vermeintlich blasse Nachfolger von Olaf Scholz im Rathaus, der sich gegen den Niedergang seiner Partei in Bund und Stadt stemmen muss, gegen die so freundlich wie energiegeladene Wissenschaftssenatorin, die mit großer Zuversicht aus den guten Umfragewerten ihrer Partei mal etwas Zählbares machen und Bürgermeisterin werden soll. Die einzige Landtagswahl des Jahres als Duell und Gradmesser für die Bundesparteien. So schien es gesetzt zu sein. Nur entwickeln sich die Rollen im Wahlkampf manchmal etwas anders.

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