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Deutschlands Kohleausstieg : Das Gespenst der neunziger Jahre kehrt zurück

  • -Aktualisiert am

Fordern und fördern: Braunkohleabbau bei Weißwasser in Sachsen. Bild: Picture-Alliance

In Ostdeutschland wächst die Sorge, nach dem Kohleausstieg sitzengelassen zu werden. Die zuständige Kommission muss jetzt auf Druck dreier Länder nachsitzen.

          6 Min.

          Mit Strukturwandel kennt sich Torsten Pötsch gut aus, er hat ihn praktisch vor der Haustür miterlebt. An die Zeit nach 1990, als in Weißwasser im Nordosten Sachsens ganze Großbetriebe der Glasindustrie, Braunkohletagebaue und Kraftwerke Zehntausende Arbeiter für immer ausspuckten, kann er sich bis heute gut erinnern, und auch an die unmittelbaren Folgen: Leerstand, Abwanderung, Überalterung.

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          „Das vergisst man nie“, sagt er. Pötsch war damals noch keine 20 Jahre alt und wäre beinahe auch weggegangen, wie fast alle Mitschüler seines Jahrgangs. Er hatte die Möglichkeit, in England zu studieren, doch dann ergab sich ein Ausbildungsplatz bei einer Bank; Banken zählten damals zu den wenigen, die eine Perspektive boten. So blieb er in der Heimat, arbeitete später bei einer Maschinenbaufirma, organisierte als Freiberufler Kultur, war Geschäftsführer der örtlichen Wohnungsbaugesellschaft, und vor acht Jahren wurde er Oberbürgermeister von Weißwasser. „Von den härtesten Auswirkungen des Strukturwandels haben wir uns einigermaßen erholt“, sagt er. „Wir spüren zum ersten Mal seit langem sogar etwas Aufbruchstimmung.“

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