https://www.faz.net/-gpf-ac3yd
Bildbeschreibung einblenden

Vor dem Impfgipfel : Bund will 6,4 Millionen Impfdosen für Kinder bereitstellen

Der Bund reserviert mehrere Millionen Dosen des Impfstoffs für Minderjährige. Bild: dpa

Trotz Kritik will Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) so viele Einheiten reservieren, dass alle Minderjährigen bis zum Ende der Sommerferien eine Impfung erhalten können.

          2 Min.

          Damit alle impfwilligen Kinder von zwölf Jahren an bis Ende August eine erste Schutzinjektion gegen Covid-19 erhalten können, sollen die Bundesländer schon von Juni an zusätzliche Impfstofflieferungen vom Bund erhalten. Der Gesamtbedarf liege bei jeweils 3,18 Millionen Dosen für Erst- und Zweitimpfungen, heißt es in einem Bericht zum Stand der Impfkampagne, den das Bundesgesundheitsministerium unter Jens Spahn (CDU) den Ländern zur Vorbereitung der Ministerpräsidentenkonferenz am Donnerstag geschickt hat. Dieses Kontingent werde den Ländern in den kommenden drei Monaten zusätzlich zur Verfügung gestellt.

          Christian Geinitz
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          Das Papier, das auf Entscheidungen der Gesundheitsministerkonferenz beruht, dient als Vorlage für den Impfgipfel von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten der Länder am Donnerstagnachmittag.

          Den Umfang der Altersgruppe der Zwölf- bis Achtzehnjährigen beziffert der Bericht auf 5,3 Millionen Personen, wobei eine Impfbereitschaft von 60 Prozent angenommen wird. Bisher ist der Impfstoff von BioNTech, um den es geht, erst ab 16 Jahren zugelassen. Doch wird die Genehmigung durch die europäische Arzneimittelagentur EMA für Zwölf- bis Fünfzehnjährige für diesen Freitag erwartet.

          Mit den Ländern sei vereinbart, dass diese sicherstellten, die Kontingente auch wirklich für Minderjährige zu verwenden, heißt es in der Vorlage. Dazu könnten die Impfzentren dienen, denkbar seien auch gezielte Angebote an Schulen.

          Die Bundesregierung bereitet sich den Angaben zufolge auch schon auf Impfungen für Unter-Zwölf-Jährige vor. Es gebe eine Vorsorgestrategie für 2022 und 2023, um ausreichende Impfstoffmengen für kleinere Kinder, für Auffrischungen und für mögliche Virusvarianten zu sichern. Trotz der zuweilen schwierigen Lieferungen in der Vergangenheit setzt Berlin auch in Zukunft auf die „gemeinsame Beschaffung durch die Europäische Union“.

          Zur Risikostreuung will man, wie gehabt, unterschiedliche Hersteller und Vakzinarten berücksichtigen. Es gebe bereits einen ersten Vertrag mit BioNTech für die kommenden beiden Jahre, der die Bereitstellung von 1,8 Milliarden Einheiten für die ganze EU vorsehe, wovon auf Deutschland 330 Millionen Dosen entfielen.

          Noch sei unklar, ob und wann die Impfungen aufgefrischt werden müssten. Das Paul-Ehrlich-Institut erwarte, dass der Schutz durch die Erstimmunisierung mindestens sechs Monate halte. Wichtig sei die neue Erkenntnis, dass sogenannte heterologe Impfungen „hoch immunogen und sicher“ seien. Damit ist gemeint, dass die erste Spritze den Wirkstoff von AstraZeneca enthielt und die zweite einen mRNA-Impfstoff wie jenen von BioNTech oder Moderna.

          Das Papier hält fest, dass inzwischen zwei Drittel der impfbereiten Erwachsenen in Deutschland mindestens eine Injektion erhalten hätten. Bis Ende Juni sei mit einer Quote von 80 Prozent zu rechnen. Das wären mehr als 40 Millionen Personen, also rund die Hälfte der Gesamtbevölkerung.

          Das Ministerium kritisiert die Hersteller

          Für das zweite Quartal bis Ende Juni hätten die Hersteller 80 Millionen Dosen zugesagt. Davon seien bisher 31 Millionen ausgeliefert, weitere 32 Millionen habe man fest terminiert. Die restlichen 17 Millionen sind aber offenbar noch unklar, weil die Vektorimpfstoffhersteller AstraZeneca und Johnson&Johnson noch keine Wochenpläne bis Ende Juni vorgelegt haben.

          Die Daten und Mengen dieser Produzenten würden „weiterhin nur mit sehr kurzer Frist angekündigt, was alle Beteiligten vor logistische Herausforderungen stellt“, kritisiert das Gesundheitsministerium. Moderna sei das einzige Unternehmen, das für die ersten drei Wochen des Monats Juli, also im dritten Quartal, Lieferpläne vorgelegt habe. „Die Hersteller sind gefordert, diese so zeitnah wie möglich zu übersenden.“ Erwartet werden zwischen Juli und September insgesamt 120 Millionen Dosen. Hinzu könnten noch Lieferungen bisher nicht zugelassener Anbieter kommen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ein Intensivpfleger arbeitet auf einer Intensivstation des RKH Klinikum Ludwigsburg an einem Covid-19-Patient.

          Corona in Deutschland : Sieben-Tage-Inzidenz steigt weiter auf 13,6

          Das Robert Koch-Institut hat 1919 Corona-Neuinfektionen registriert. Vor einer Woche hatte der Wert bei 1608 Ansteckungen gelegen. Bildungsministerin Anja Karliczek drängt auf Impfungen aus Solidarität mit Kindern und Jugendlichen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.