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Streit um Sayn-Wittgenstein : Die AfD im Sog

  • -Aktualisiert am

Doris von Sayn-Wittgenstein am Donnerstag im Landeshaus in Kiel Bild: dpa

Die Menschen geraten in einen Strudel, wenn sie der Hässlichkeit nachgeben, die wir alle in uns tragen. In einer Partei, die zerfällt, verspricht nur dieser Sog Einigkeit. Doris von Sayn-Wittgenstein hat das verstanden.

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          Wer verstehen will, was Menschen eigentlich davon haben, in der AfD zu sein, sollte bei seinen Kindern ein Glücksbärchi-Buch ausleihen und es mit knarrender Hitlerstimme vorlesen. Das ist doch lustig – oder? Wie Charlie Chaplin, wenn er als großer Diktator sportgymnastische Übungen mit dem Erdball macht. Oder wie Bruno Ganz in der Rolle des Hitler, wenn Scherzkekse banale Untertitel zu seinen mörderischen Wutanfällen dichten. Warum wir lachen? Weil die Enthemmung uns erlöst, je krasser sie scheint; weil wir uns frei fühlen, wie ein Kleinkind, das mit dem Mund Pupsgeräusche macht, obwohl das Geräusch verboten ist.

          Auch in der AfD werden Witze gemacht. Irgendwo begeht ein Ausländer eine Straftat, schon geht es los: „Sicher auch einer von Merkels Goldstücken!“ Oder: „Von wegen es kommen keine Facharbeiter, im Klauen sind die doch Weltspitze! Hat sich das Opfer schon für die Kulturbereicherung bedankt?“ Ausländerwitze sind Schwulenwitze sind Judenwitze. Wer nun denkt, der Witz sei das Grundübel, liegt falsch. Das Grundübel ist der Strudel, in den Menschen geraten, wenn sie der Hässlichkeit nachgeben, die wir alle in uns tragen. Bruno Ganz sprach einmal von der „Faszination an diesem dunkelsten Abgang“. Das habe „irgendeinen merkwürdigen, makabren Sog, ganz jenseits von Politik“.

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