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Von der Leyen in Afghanistan : Ministerin für die Menschen an den Gewehren

Rollenwechsel: Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen gedenkt am Sonntag im Ehrenhain des Camp Marmal bei Mazar-i-Sharif der gefallenen Bundeswehrsoldaten. Bild: dpa

Die Offiziere wollen Ursula von der Leyen in Afghanistan Waffen und Technik zeigen, doch die neue Verteidigungsministerin möchte lieber die Soldaten kennenlernen. Im Feldlager von Mazar-i-Sharif wirkt sie angespannt.

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          Sie sei „zum Lernen“ in das deutsche Feldlager im Norden Afghanistans gekommen, sagt die neue Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) immer wieder. Sie spricht es in die Mikrofone der aus Deutschland mitgereisten Fernsehteams, sie sagt es den Offizieren, die ihr in diesen kalten Dezembertagen am Nordrand des Hindukuschs die Sicherheitslage erklären und dabei gleich die Bundeswehr im Einsatz präsentieren. Das „Camp Marmal“ ist das größte Feldlager der Bundeswehr außerhalb Deutschlands. Dort sind die meisten der derzeit etwa 3000 in Afghanistan eingesetzten Bundeswehrsoldaten stationiert.

          Johannes Leithäuser
          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Die Ministerin lernt rasch: Das Ungewohnte gibt sie sorgfältig und mit leichtem Zögern wieder, etwa die Begriffe, die den militärischen Nachfolge-Auftrag in Afghanistan beschreiben sollen, „eine Mission des Beratens und der Ausbildung“. Andere Daten haben sich ihr wie von selbst eingeprägt; sie referiert sie sofort weiter: Bei den älteren Afghanen betrage die Alphabetisierungsrate kaum 20 Prozent, bei den jungen, den Schulkindern, gebe es hingegen keine Analphabeten mehr. Lesen und schreiben sei selbstverständlich für sie. Und: Im afghanischen Norden, dort wo die Bundeswehr federführend die Sicherheit der Region verantwortet hat, hätten sich „nach Zahlen, die ich heute auch gehört habe“, an der letzten Wahl 37 Prozent der weiblichen Wähler beteiligt.

          Mazar-i-Sharif: Die Verteidigungsministerin wird von General Vollmer begrüßt.
          Mazar-i-Sharif: Die Verteidigungsministerin wird von General Vollmer begrüßt. : Bild: dpa

          Die Soldaten, die ihre neue Ministerin durch das ausgedehnte Lager führen, wollen ihr das Lernen leicht machen. Der Oberstleutnant, der das Logistikbataillon kommandiert, fängt mit seinen Erläuterungen an der Grundlinie an: Es gebe ja außer den drei Teilstreitkräften Heer, Luftwaffe und Marine noch die Sanitäter und seine eigene Truppenkategorie, „die sogenannte Streitkräftebasis“. Und ein Hauptmann, der Leyen anschließend durch die Hallen der Fahrzeuginstandsetzung begleitet, übersetzt das Geschehen mit dem Satz, hier sei der Ort, „wo wir ein Fahrzeug wieder ganzmachen“.

          Gelegentlich ist zu merken, dass die politischen und militärischen Berater, die den Besuch Leyens in Afghanistan planten, mit Eifer den Eindruck vermeiden wollten, dies sei eine Präsentationsschau für die neue Ministerin. Termine außerhalb des Feldlagers, etwa politische Gespräche in Kabul, ein erstes Treffen mit dem afghanischen Verteidigungsminister, konnten wegen der kurzen Vorbereitungsfrist nicht mehr verabredet werden; am Mittwochabend fiel die Entscheidung zu der Vorweihnachtsreise, am Samstagabend flog Leyen von Berlin ab.

          „Ich habe viel zu lernen“: Von der Leyen in der Truppenkantine
          „Ich habe viel zu lernen“: Von der Leyen in der Truppenkantine : Bild: REUTERS

          Der deutsche Botschafter Martin Jäger kommt ihr am Sonntag von Kabul aus bis nach Mazar-i-Sharif entgegen; er ist gemeinsam mit dem Isaf-Oberkommandierenden eingeflogen, dem amerikanischen General Joseph Dunford, um die neue Ministerin im Norden zu treffen. Und Dunford gibt ihr bei einem kurzen gemeinsamen Auftritt gleich Feuerschutz gegen Mutmaßungen, sie sei nur schöner Bilder im neuen Amt wegen gleich zu den deutschen Truppen gereist. Es gebe in der amerikanischen Armee das Sprichwort, Kommandierende demonstrierten durch ihre eigene Anwesenheit das, was wichtig sei. Nach ihrem Gespräch mit Dunford sagt Leyen, Deutschland hoffe darauf, dass das bilaterale Sicherheitsabkommen zwischen den Vereinigten Staaten und Afghanistan „bald unterzeichnet“ werde. Es sei ermutigend, dass dies auch in weiten Teilen Afghanistans so gesehen werde. Dunford lobt die Arbeit der Bundeswehr. Deutschland habe Afghanistan „Hoffnung für die Zukunft“ gegeben.

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