https://www.faz.net/-gpf-6ljqk

Von Beruf Weihnachtsmann : Sie bimmeln, aber sie klingeln nicht

  • -Aktualisiert am

In Berlin fehlt es an Weihnachtsmännern

Knapp zehn einschlägige Agenturen zählt Berlin – Konkurrenz herrscht jedoch nur darum, wer in welchem Stadtteil führend ist, nicht um das einzelne Angebot. Nach Knorres Einschätzung können alle Anbieter zusammen die Nachfrage kaum befriedigen. „Sonst würde bei mir ja nicht dauernd das Telefon klingeln.“ So viele Menschen bestellen einen fremden, kostümierten Mann in ihre vier Wände, auf dass er ihnen Lob, Tadel und Geschenke austeile.

„Wenn der Weihnachtsmann kommt, verändert sich jeder“, weiß auch Stefan Dößereck, „Kinder freuen sich oder sind aufgeregt, Erwachsene sind belustigt oder erinnern sich an ihre Kindheit.“ Der 42 Jahre alte selbständige Berater ist seit 16 Jahren als Weihnachtsmann im Rheinland und Ruhrgebiet unterwegs. Allein im Dezember legt er jedes Jahr 10.000 Kilometer in seinem alten Kleinwagen zurück, trägt Mitra oder Zipfelmütze, Knecht Ruprecht oder Engel auf dem Beifahrersitz, je nach Kundenwunsch. Ob Nikolaus oder Weihnachtsmann, die Frage sei nicht so wichtig, sagt er. Nur mit „Hohoho“-Santa Claus will er nichts zu tun haben. An die Theorie, dass der Weihnachtsmann eine Erfindung jenes „amerikanischen Erfrischungsgetränks“ ist, glaubt er nicht. „Am Ende ist es falsch, Nikolaus, Weihnachtsmann oder auch das Christkind auseinander zu treiben“, sagt er. „Sie alle haben einen hohen Symbolwert, den man nicht missbrauchen darf.“

Gegen den „Missbrauch des Kostüms“

Dafür hat sich Dößereck strenge Prinzipien auferlegt. An die müssen sich auch die anderen Weihnachtsmänner halten, die er geschult hat und denen er – provisionsfrei, wie er beteuert – Termine überlässt, die er nicht wahrnehmen kann. Der Kölner möchte der Weihnachtsmann sein, „den ich selbst suche“, sagt er. Darum lehnt er Auftritte zu reinen Werbezwecken ab und auch die „Kaufhausauftritte“, bei denen es nur ums Geschenke verteilen geht, entsprechen nicht seinen Vorstellungen.

Er spricht vom „Missbrauch des Kostüms“, wenn er von „Kollegen“ erzählt, die im Hubschrauber durch die Gegend flögen. Er würde nicht einmal im Kostüm ins Auto steigen. Sobald er den Ort seines Wirkens wieder verlässt, hört er auf, ein Weihnachtsmann zu sein. Kein Mensch würde vermuten, dass der diskrete Metallkoffer des 1,95 Meter großen, untersetzten Manns aus ihm einen Weihnachtsmann machen könnte.

Das ist bei Frank Knorre schwieriger. Denn selbst wenn der Berliner ohne Kapuze im Baumarkt nach einer Schneeschippe sucht, drehen sich die Leute nach dem Mann mit dem weißen Bart und der runden Nase um – „Hey Weihnachtsmann, hast Du ein Geschenk für mich?“ Gegen ein Gedicht hat er auch für den Mann im Blaumann ein Bonbon. Auch bei Knorre kann nicht jeder Weihnachtsmann werden. „Bei den Bescherungen an Heiligabend spielen wir mit Gefühlen und haben Einblick in sehr intime Momente. Deshalb ist es wichtig, dass eine gewisse Qualität garantiert ist.“

Bevor der Oberweihnachtsmann jemanden in die Geheimnisse seines Berufsstands einweiht, muss der Bewerber mit Grundwissen überzeugen, jetzt, so kurz vor Heiligabend, auch einmal am Telefon. Was muss ein Weihnachtsmann über ein Kind wissen? Ob es ein Gedicht kann – und natürlich, wie es heißt und wie alt es ist. Warum kann es nicht der Weihnachtsmann sein, wenn es an der Tür klingelt? Weil er klopfen würde. Wer schreibt die Einträge ins goldene Buch? Die Engel.

Neue Weihnachtsmänner werden kritisch geprüft

Weitere Themen

Topmeldungen

Christian Sewing und Martin Zielke (rechts)

Nach Zielkes Rückzug : Sewing, übernehmen Sie!

Es darf bezweifelt werden, dass die Commerzbank den Weg aus ihrer schwersten Krise alleine findet. Und so dürfte es mit Blick auf den Chef der Deutschen Bank bald heißen: Herr Sewing, übernehmen Sie.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.