https://www.faz.net/-gpf-6xmug

Vom Terroristen zum Freiheitshelden : Die Vendetta des Guy Fawkes

Zuerst zogen die Hacker des Kollektivs „Anonymous“ die Maske auf Bild: dpa

Zuerst zogen die Hacker von „Anonymous“ sie auf, dann die Occupy-Bewegung, und nun auch die Anti-Acta-Demonstranten: die Guy-Fawkes-Maske. Den Medienkonzern Time Warner wird das freuen - er verkauft sie nämlich.

          1 Min.

          Auch am Wochenende war sie wieder vielerorts zu sehen: die Maske des bleichen Mannes mit leicht geröteten Wangen, akkurat getrimmtem, schwarzen Schnurr- sowie Spitzbart und hintersinnigem, gar teuflischen Lächeln. Das Plastikgesicht ist dem von Guy Fawkes nachempfunden, jenem katholischen Söldner, der am 5. November 1605 versuchte, das Parlament in London samt dem protestantischen König und dessen Familie in die Luft zu sprengen, um Rache für die Unterdrückung der Katholiken zu nehmen.

          Friedrich Schmidt
          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Im Keller des Westminster-Palastes hatten Fawkes und seine Mitverschwörer Fässer voller Schießpulver deponiert. Doch der „gunpowder plot“ flog auf; Fawkes wurde in den Kellerräumen entdeckt, unter der Folter verriet er seine Mitverschwörer, Hinrichtungen folgten. In Großbritannien wird der Verschwörung alljährlich am 5. November gedacht.

          In den achtziger Jahren gelangte die Figur des gescheiterten Terroristen Fawkes in der Comicserie „V wie Vendetta“ zu popkulturellem Ruhm, fand sich dort aber auf der Seite des Guten wieder: Der anarchistische Protagonist „V“ kämpft, maskiert mit einer Guy-Fawkes-Maske, in einer düsteren Zukunft gegen einen totalitären Staat unter einem autokratischen Kanzler, der eine faschistoide Partei führt. In einer Verfilmung, die 2006 in die Kinos kam, wird am Ende der Westminster-Palast in die Luft gesprengt, unter den Blicken Tausender Briten, die sich mit Guy-Fawkes-Masken mit „V“ solidarisiert haben.

          Aktivisten der Protestbewegung Anonymous entdeckten die Maske für sich, um sich bei Demonstrationen für ein freies Internet und gegen große Medienkonzerne zu tarnen. Auch bei der Occupy-Bewegung wird so an Fawkes beziehungsweise „V“ erinnert, wenn gegen eine zu banken- und wirtschaftsfreundliche Politik demonstriert wird.

          Es ist eine ironische Wendung, dass die Kunststoffmaske, mit der die Demonstranten ihre Gesichter verbergen, zu den Merchandise-Produkten gehört, die der amerikanische Medienkonzern Time Warner lizenziert hat - diesem gehört nämlich das Unternehmen Warner Bros., das den Film „V wie Vendetta“ produziert hat. Dass er an jeder Maske mitverdient, ist gleichsam die Vergeltung des Kapitalismus für die Vendetta gegen den Kapitalismus.

          Weitere Themen

          Was sind die Knackpunkte? Video-Seite öffnen

          Ampel-Koalitionsverhandlungen : Was sind die Knackpunkte?

          Rente, Klima, Haushalt: SPD, Grüne und FDP haben sich zwar auf ein gemeinsames Sondierungspapier geeinigt, doch in vielen Punkten liegen die Parteien weiterhin über Kreuz. Die Koalitionsverhandlungen dürften deshalb noch holprig werden.

          Topmeldungen

          Aktiv als Rentner: Immer mehr ältere Menschen arbeiten noch.

          Betriebsrenten : Unternehmen leiden unter absurd hohem Steuerzins

          Niedrige Zinsen lassen die Pensionsrückstellungen steigen, das Steuerrecht ignoriert diese Belastung. 100.000 Unternehmen sind betroffen. Das Institut der Wirtschaftsprüfer IDW fordert, den Zinssatz deutlich zu senken. Eine Studie zeigt: Diese Forderung ist berechtigt.
          Bürgerinitiativen und Umweltverbände, aber auch einzelne Bürger haben das Recht, sich vor Gericht gegen die Genehmigung einer Windkraftanlage zu wehren.

          Ausbau der Windkraft : Die Ampel kann nicht, wie sie will

          Damit die Energiewende gelingt, wollen die Ampel-Parteien den Ausbau der Windkraft beschleunigen. Doch sie werden schnell an die Grenzen des Europarechts stoßen – und an die der deutschen Mentalität.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.