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Intensivstationen ausgelastet : Klinikum Aschaffenburg? Ausgelastet. Uniklinik München, Standort Innenstadt? Voll.

Die Besatzung eines niederländischen Krankenwagens bringt einen Covid-19-Patienten von Rotterdam ins St.-Elisabeth-Hospital in Herten. Bild: dpa

Bislang fand jede Klinik eine andere in der Nähe, die ihr Intensivpatienten abnehmen konnte. Doch das gelingt im Süden und im Osten nicht mehr, Schwerkranke müssen teils Hunderte Kilometer transportiert werden. Wie funktioniert das?

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          Im städtischen Klinikum in Dresden ist die Intensivstation voll. Die Betten, in denen schwerkranke Patienten beatmet werden können, sind belegt. Auch für das Helios-Klinikum in der sächsischen Stadt Pirna zeigt das Intensivregister einen roten Punkt. Die Station ist ebenfalls ausgelastet. Das Register von Robert Koch-Institut und Deutscher Interdisziplinärer Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) gibt Auskunft darüber, wo noch freie Intensivbetten stehen – sie werden für schwerkranke Covid-19-Patienten mit Atemnot benötigt und für alle anderen, die nach einem Unfall oder einer Operation besonders betreut werden müssen. In Sachsen und anderen ostdeutschen Bundesländern zeigt die Liste immer mehr rote Punkte an, in Bayern ist die Lage ähnlich gravierend. Klinikum Aschaffenburg? Ausgelastet. Universitätsklinik München, Standort Innenstadt? Keine Chance. Klinikum Kempten im Allgäu? Auch da ist nichts mehr frei.

          Kim Björn Becker
          Redakteur in der Politik.

          Die Belastung der deutschen Intensivstationen vor allem durch meist ungeimpfte Covid-19-Patienten hat in den vergangenen Tagen noch einmal zugenommen. In Bayern und Thüringen liegt inzwischen in fast jedem dritten Intensivbett ein Corona-Kranker, in Sachsen ist ihr Anteil mit fast 37 Prozent bundesweit am höchsten. Bislang war es in den besonders von der Pandemie betroffenen Gegenden – die Impfquoten liegen dort durchweg unter dem Bundesdurchschnitt –  möglich, Patienten regional zu verlegen. Wenn ein Krankenhaus voll war, fand sich ein anderes in der Nähe, das noch einen Patienten aufnehmen konnte. Doch seit einigen Stunden ist auch das teilweise nicht mehr möglich.

          Am späten Dienstagabend teilte die DIVI mit, dass mehrere Bundesländer einen bundesweiten Notfallmechanismus aktiviert haben, der es möglich machen soll, dass Intensivpatienten in andere Gegenden der Republik gebracht werden. Die Rede ist vom sogenannten Kleeblatt-Konzept, bei dem die Länder – teilweise alleine, teilweise in Gruppen – fünf Regionen, also „Kleeblätter“, bilden. Seit Dienstagabend gelingt es den zwei Regionen Süd und Ost, die aus Bayern beziehungsweise Thüringen, Sachsen, Berlin und Brandenburg bestehen, nicht mehr, Patienten innerhalb der jeweiligen Region angemessen zu behandeln. „In den nächsten Tagen soll eine größere Anzahl an Patienten in andere Kleeblatt-Regionen verlegt werden“, teilte die DIVI mit.

          Der Osten und der Süden der Republik müssen sich jetzt darauf verlassen, dass die anderen drei Regionen aushelfen können. Dabei bilden die Länder Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland das „Kleeblatt“ Südwest; Nordrhein-Westfalen allein formt die Region West und Niedersachsen, Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein sowie Mecklenburg-Vorpommern haben sich zur Region Nord zusammengetan. Für jede Region gibt es einen zentralen Ansprechpartner, der Patientenverlegungen koordiniert. Bund und Länder haben das System im vergangenen Jahr zusammen mit Intensivmedizinern entwickelt.

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