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Gedenken am Volkstrauertag : Prinz Charles beschwört gemeinsame Zukunft von Briten und Deutschen

Ewiger Thronanwärter: Prinz Charles im Bundestag Bild: EPA

In der Gegenwart von Prinz Charles wird am Volkstrauertag der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft gedacht. Der britische Thronfolger spricht auf Deutsch und auf Englisch – und beschwört die Verbundenheit beider Völker.

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          Der britische Thronfolger Prinz Charles hat die gemeinsame Zukunft von Briten und Deutschen beschworen. Trotz der pandemiebedingten Einschränkungen nahm er am Sonntag an den Gedenkzeremonien des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge zum Volkstrauertag in Berlin teil und erinnerte an der Seite von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft.

          Johannes Leithäuser
          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Prinz Charles hob im fünfundsiebzigsten Jahr nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ausführlich die Verbundenheit zwischen Deutschland und dem Vereinigten Königreich hervor und sprach die Entscheidung der Briten offen an, „sich für eine Zukunft außerhalb der Europäischen Union“ zu entscheiden. Er beschrieb umso leidenschaftlicher in seiner abwechselnd auf Deutsch und Englisch gehaltenen Ansprache eine gemeinsame Zukunft beider Nationen, die zusammen „eine unverzichtbare Kraft für das Gute in der Welt“ sein könnten.

          Erinnerung an Steinmeiers Besuch in London

          Charles nannte die Corona-Pandemie, aber auch den Klimawandel als aktuelle weltweite Herausforderungen und gab an: „Wir sind so sehr in die Zukunft des jeweils anderen Landes eingebunden, dass unsere nationalen Interessen – auch wenn sie unterschiedlich sein mögen – immer miteinander verflochten sein werden.“

          Prinz Charles nahm ausdrücklich Bezug darauf, dass Bundespräsident Steinmeier vor zwei Jahren erstmals als deutscher Repräsentant zur Teilnahme am britischen Totengedenken des „Remembrance Day“ gebeten worden war, gedacht als Zeichen der Verbundenheit anlässlich des einhundertsten Jahrestages der Beendigung des Ersten Weltkrieges. Steinmeier hatte bei jener Zeremonie am Gefallenendenkmal in London, die ohne Ansprachen vollzogen wird, seinem niedergelegten Kranz die Botschaft beigefügt, er sei dankbar für Aussöhnung und hoffnungsvoll für eine Zukunft in Frieden und Freundschaft.

          Charles sagte, die Schrecken der Vergangenheit dürften nicht einfach abgetan werden als Ereignisse eines anderen Zeitalters oder als Lasten, die andere zu tragen hätten. Vielmehr gebe es „die feierliche und gemeinsame Verpflichtung“, daraus die Lehren zu ziehen und sie immer wieder zu erneuern.

          Der britische Thronfolger, Prince Charles, und seine Frau Camilla werden am 15. November von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und dessen Frau, Elke Büdenbender, in Schloss Bellevue empfangen.
          Der britische Thronfolger, Prince Charles, und seine Frau Camilla werden am 15. November von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und dessen Frau, Elke Büdenbender, in Schloss Bellevue empfangen. : Bild: dpa

          Steinmeier würdigte die Anwesenheit des britischen Thronfolgers, der auch an der Kranzniederlegung in der Neuen Wache teilnahm, dem Mahnmal für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft, als „außergewöhnliche Geste der Versöhnung und der Verbundenheit in außergewöhnlichen Zeiten“. Deutsche und Briten eine „die feste Absicht, die gute Nachbarschaft und enge Partnerschaft zwischen dem Vereinigten Königreich und Deutschland auch in Zukunft zu erhalten und zu stärken“.

          Rote Mohnblüten und Vergissmeinnicht

          Der Bundespräsident sprach das traditionelle Totengedenken in der Feierstunde im Reichstagsgebäude, das stets mit der Erinnerung an „die Opfer von Gewalt und Krieg“ beginnt und das er um die Zeile ergänzte, gedacht werden müsse auch „der Opfer von Terrorismus und Extremismus, Antisemitismus und Rassismus in unserem Land“.

          Der Präsident des Volksbunds, der frühere Bundeswehr-Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan, würdigte die tiefe deutsch-britische Verbundenheit. Er maß dem Gedenken in der aktuellen Herausforderung der Corona-Pandemie „eine ganz besondere Tiefe“ zu. Junge und Alte stünden gemeinsam vor Erfahrungen, von denen sie nie gedacht hätten, dass sie diese machen müssten. Der Volksbund demonstrierte die Gemeinsamkeit im Gedenken durch eine weitere Geste: Das britische Erinnerungssymbol an Gefallene – die rote Mohnblüte – ergänzte er um blaue Vergissmeinnicht-Blüten.

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