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Gedenken am Volkstrauertag : In blutbefleckten Gewändern

Die Lektionen des 20. Jahrhunderts wurden gelernt. Die des 21. auch? Bild: dpa

Das Zeitalter der mörderischen Ideologien ist nicht vorüber. Hoffentlich beherzigen die Europäer auch die Lektionen des 21. Jahrhunderts.

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          Der „Heldengedenktag“, zu dem die Nationalsozialisten den Volkstrauertag umgewidmet hatten, ist mit ihrer Herrschaft untergegangen. Aber auch der entnazifizierte Gedenktag blieb ein politischer Akt. Seit 1952 spricht der Bundespräsident die Sätze des Totengedenkens. Der Text wurde immer länger – musste immer länger werden. Zwar brachten selbst die schlimmsten Katastrophen nicht ein den beiden Weltkriegen vergleichbares Leid über Deutschland und seine Nachbarn. Doch Opfer von Kriegen und anderen politisch motivierten Gewaltakten gibt es bis heute. Seit Jahren gehört zum Totengedenken die Erinnerung an die Bundeswehrsoldaten, die in Auslandseinsätzen ihr Leben verloren.

          Berthold Kohler
          Herausgeber.

          Auch der zwölfte Bundespräsident weitet das Gedenken nun aus: „auf die Opfer von Terrorismus und Extremismus, Antisemitismus und Rassismus in unserem Land“. Schon bisher wurden am Volkstrauertag der Hass und die Gewalt beklagt, denen „Fremde und Schwache“ zum Opfer fielen. Doch hat der gewalttätige Fanatismus in den vergangenen Jahren eine Dimension erreicht, die auch und gerade bei einem nationalen Totengedenken deutlich gemacht werden muss. Das Zeitalter der mörderischen Ideologien ist nicht vorüber, wie mancher spätestens nach dem Untergang des Sowjetkommunismus glauben wollte. Sie kehrten nur in anderen blutbefleckten Gewändern zurück.

          Vor fünf Jahren haben in Paris islamistische Terroristen 130 Menschen ermordet. Auch ihrer ist zu gedenken. Nach den Feierstunden aber muss der Kampf gegen die Extremisten aller Art weitergehen. Den können die Demokratien Europas nur gewinnen, wenn sie zusammenstehen, was immer sie sonst auch trennen mag. Dass am Sonntag der britische Thronfolger im Bundestag redet, belegt aufs Neue, dass die europäischen Völker die Lektionen der beiden Weltkriege nicht nur gelernt, sondern auch beherzigt haben. Hoffentlich kann man das dereinst auch über die Europäer und die Lektionen des frühen 21. Jahrhunderts sagen.

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