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Volksentscheid : Berliner wollen Tempelhof nicht mehr

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Künftig keine Küsse mehr vor der Abflugtafel: Die Berliner sind dafür, Tempelhof dichtzumachen. Bild: AP

Keine Chance mehr für den ältesten Airport der Hauptstadt: Die Berliner haben sich in einem Volksentscheid mehrheitlich dagegen ausgesprochen, Tempelhof weiterzubetreiben. Ende Oktober dürfte damit für den Innenstadtflughafen Schluss sein.

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          Der Volksentscheid für den Weiterbetrieb des traditionsreichen Berliner Flughafens Tempelhof ist gescheitert. Statt der erforderlichen 25 Prozent der rund 2,4 Millionen Wahlberechtigten stimmten am Sonntag nur 21,7 Prozent der Berliner für die Offenhaltung. Trotz der klaren Niederlage geht der politische Streit um die Zukunft des Flughafens weiter. CDU und FDP in Berlin sowie die Initiative für Tempelhof (ICAT) forderten, der Flugbetrieb müsse weitergehen.

          Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hatte schon vor der Abstimmung mehrfach betont, Tempelhof werde in jedem Fall Ende Oktober geschlossen, um den künftigen Hauptstadtflughafen in Schönefeld (BBI) nicht zu gefährden. Das riesige Flughafengelände mit 330 Hektar Fläche soll künftig zum Teil ein Park werden. An den Rändern sollen Wohnhäuser und Gewerbebauten entstehen.

          80.000 Stimmen zu wenig

          Beim ersten Volksentscheid dieser Art in der Geschichte der Stadt stimmten nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis 530.231 Berliner (60,2 Prozent) mit Ja. 348.388 (39,6 Prozent) kreuzten Nein an. 2189 Stimmen waren ungültig. Insgesamt wurden 880.808 Stimmen abgegeben. Damit lag die Wahlbeteiligung bei 36,1 Prozent. Notwendig für einen Erfolg waren 609.509 Ja-Stimmen (25 Prozent der Wahlberechtigten). Diese Hürde wurde um knapp 80.000 Stimmen verfehlt. Wowereit erklärte am Abend, es habe sich gezeigt, „dass deutlich mehr als drei Viertel der Berlinerinnen und Berliner entweder mit Nein stimmten oder sich erst gar nicht beteiligten.“

          Für den CDU-Fraktionsvorsitzenden Friedbert Pflüger bedeutet das Ergebnis eine herbe Niederlage. Die CDU hatte zusammen mit der FDP und Wirtschaftsverbänden maßgeblich den Volksentscheid der ICAT unterstützt. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte für Tempelhof geworben. Pflüger und die ICAT bezeichneten den Volksentscheid trotzdem als Erfolg. „Es sind über 500.000 Stimmen“, sagte Pflüger. „Das ist ein doller Sieg.“ Die ICAT erklärte: „Herr Wowereit, eine Mehrheit in dieser Stadt will den Flughafen.“

          Erinnerung an die „Rosinenbomber“

          Um die Zukunft des legendären Flughafens war monatelang gestritten worden. Tempelhof gilt als Symbol der Freiheit Symbols, weil dort während der sowjetischen Blockade West-Berlins die „Rosinenbomber“ der sogenannten Luftbrücke gelandet waren. Die Initiative ICAT wollte erreichen, dass Tempelhof als Verkehrsflughafen mit regulären Linienflügen offen bleibt. Die Linie der rot-roten Landesregierung wurde von den Grünen und Umweltverbänden unterstützt. Der neue Großflughafen in Schönefeld soll 2011 in Betrieb gehen.

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