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Volker Kauder im Gespräch : „Hauptaufgabe bleibt die Stabilisierung des Euro“

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Volker Kauder: Wulffs Krisenmanagement war „wirklich nicht optimal“ Bild: Pilar, Daniel

Volker Kauder, der Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, spricht im F.A.Z.-Interview über die Vorwürfe gegen Bundesprädident Wulff, den Zustand der FDP und seine Erwartungen für 2012.

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          Das neue Jahr, Herr Kauder, fängt ja für die Koalition so an, wie das alte aufgehört hat: Schlechte Nachrichten - wieder einmal von Bundespräsident Wulff. Bedauern Sie es mittlerweile, dass unter anderem Sie im Juni 2010 in der Bundesversammlung eine Mehrheit für ihn organisiert haben?

          Christian Wulff war der richtige Kandidat, und deshalb habe ich mich auch gerne für ihn eingesetzt.

          Was sagen Sie zur Entscheidung Wulffs, die Mailbox-Nachricht an den „Bild“-Chef nicht zu veröffentlichen?

          Telefonate oder Mailbox-Nachrichten gehören grundsätzlich nicht in die Öffentlichkeit. Das muss auch für die eines Bundespräsidenten gelten. Daher ist die Entscheidung zu respektieren. Es ist bedauerlich, dass es zu dieser Diskussion überhaupt kommen konnte.

          Seit dem Bekanntwerden der Vorwürfe gegen Bundespräsident Wulff um den Kredit für seinen Hauskauf haben Sie kein öffentliches Wort der Verteidigung für das Staatsoberhaupt gefunden. Warum schämen Sie sich dafür?

          Ich habe in der Bundestagsfraktion vor Weihnachten erklärt, dass Christian Wulff den Sachverhalt aufklären müsse und dass ich dann der Überzeugung bin, dass das Thema dann erledigt sei. Das sehe ich heute übrigens genauso. Generell sollten sich Politiker, die sich um die operative Tagespolitik kümmern, hingegen mit öffentlichen Kommentaren zum Verhalten des Staatsoberhaupts eher zurückhalten. Wir haben in Deutschland die gute Tradition, dass der Bundespräsident nicht Gegenstand parteipolitischer Auseinandersetzungen ist.

          Im Falle von Karl-Theodor zu Guttenberg und seiner gefälschten Doktorarbeit haben Sie den Verteidigungsminister aber - vergeblich - bis zuletzt verteidigt.

          Ich sehe tatsächlich einen Unterschied zwischen einem Politiker, der dem Bundeskabinett und zudem meiner eigenen Fraktion angehört und dem Bundespräsidenten.

          Das Fundament für die Arbeit der Bundespräsidenten sind Glaubwürdigkeit und moralische Integrität. Hat Bundespräsident Wulff das nun endgültig zerstört?

          Der Bundespräsident hat in seinem Interview selbst von schweren Fehlern gesprochen. Er hat sich entschuldigt. Das sollte man akzeptieren.

          Spitzenpolitiker geraten oft nicht wegen eines Fehlverhaltens in die Krise, sondern erst später bei der öffentlichen Bewältigung des Fehlverhaltens. Trauen Sie sich ein offenes Wort über das Krisenmanagement Wulffs zu?

          Richtig ist, dass in den meisten Fällen dieser Art nicht der Vorwurf selbst, sondern der Umgang mit ihm zum eigentlichen Problem führt. Das haben wir schon oft erlebt. Und auch hier war das Krisenmanagement wirklich nicht optimal.

          Können Sie das erläutern?

          Nach meiner Lebenserfahrung sollte man einmal reinen Tisch machen. Dann mag es am nächsten Tag eine schlechte Presse geben. Aber dann ist der Fall erledigt. Das wäre auch im konkreten Fall hilfreich gewesen.

          Gehen Sie davon aus, dass nach dem Interview des Bundespräsidenten alles erledigt ist?

          Davon gehe ich aus.

          Einen Nachfolgekandidaten müssen Sie also nicht suchen?

          Nein.

          Zur Arbeit der schwarz-gelben Koalition. Die FDP beginnt ihre politische Arbeit im Jahr stets mit dem Dreikönigstreffen. Sie ist in einer Krise wie nie zuvor. Können Sie mit dieser Partei noch eine stabile Regierung bilden?

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