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Volker Bouffier : Lieber Elefant als Haifisch

  • -Aktualisiert am

Fehlt nur noch Mirko Dickhaut: Bouffier auf Sommerreise im Opel-Zoo Bild: Maria Irl

Er galt in Hessen so lange als der natürliche Nachfolger Roland Kochs, bis keiner mehr daran glaubte, dass Bouffier noch Ministerpräsident werden könnte. Nun ist er es - und macht seine Sache durchaus anders als sein Vorgänger.

          6 Min.

          Die drei alten Damen Aruba, Wankie und Zimba haben es Volker Bouffier angetan. „Elefanten sind für mich ein Faszinosum. Mächtig und doch hochsensibel. Und wenn man sich über etwas oder jemanden ärgert, ist es gut, wie sie ein dickes Fell zu haben.“ Die Liebeserklärung an die betagten Elefantenweibchen mit Anspielungen auf das eigene Selbstverständnis als leidgeprüfter Spitzenpolitiker ist einer der ersten medialen Höhepunkte der Sommerreise des hessischen Ministerpräsidenten. Schon auf dieser ersten Station im privaten Opel-Zoo in Kronberg am Taunus mit drei Fernsehteams und einem guten Dutzend Journalisten im Schlepptau ist der Unterschied zu seinem Vorgänger Roland Koch mit Händen zu greifen. Wo die in die Wirtschaft entschwundene Galionsfigur der Konservativen in der CDU solche volkstümlichen Auftritte mit Tieren, Kindern und Rentnern verkrampft absolvierte, genießt sein Nachfolger jede Minute.

          Thomas Holl

          Redakteur in der Politik.

          Auf die Jungs und Mädchen, die mit ihren Müttern und Omas an diesem sonnigen Morgen neugierig den Pulk am Elefantengehege betrachten, geht der Mann mit der Frisur aus den frühen achtziger Jahren fröhlich zu. Bouffier, der selbst zwei Söhne und eine Tochter hat, fragt locker und geduldig nach den Lieblingstieren, dem Alter und der Herkunft der kleinen Zoo-Besucher. Als dann einer der Steppkes triumphierend zu dem Mann im dunklen Anzug und den graublondgelben Haaren hochschaut und kräht: „Ich habe länger Ferien als du!“, lacht Bouffier mit rauchiger Stimme. Mit solchen Auftritten kommt der 59 Jahre alte CDU-Politiker seinem Ziel wieder ein Stückchen näher: als fürsorglicher Landesvater wahrgenommen zu werden, der sich so oft wie möglich unters Volk mischt, um dessen Sorgen und Fragen kennenzulernen: der menschelnde Gegenentwurf zu dem von vielen Hessen als berechnend wahrgenommenen Roland Koch, dessen Beliebtheitswerte im Vergleich zu seinen Kompetenzwerten stets überschaubar blieben.

          Seit fast einem Jahr regiert der frühere Innenminister als Ministerpräsident in der Staatskanzlei in Wiesbaden. Jahrelang hatte der sechs Jahre ältere politische Weggefährte Kochs als eine Art Prince Charles von Hessen auf den Zeitpunkt gewartet, dass der damalige Ministerpräsident den Sprung aus der Landespolitik nach Berlin als Minister oder gar Bundeskanzler schafft. Doch die Ambitionen des brillanten politischen Analytikers Koch scheiterten am taktischen Geschick und dem noch besseren Machtinstinkt Angela Merkels. Erst nachdem Koch nur mit Glück und List den monatelangen Machtkampf im Jahr der „hessischen Verhältnisse“ gegen seine SPD-Gegenspielerin Andrea Ypsilanti überstanden und mit der anschließenden Neuwahl dank der FDP den Machterhalt für die CDU gesichert hatte, schlug Bouffiers Stunde. Koch bereitete seit Anfang 2009 im Wissen, auch angesichts anhaltend schlechter Beliebtheitswerte den politischen Zenit überschritten zu haben, den Ausstieg aus der Politik vor. Sein Wunschnachfolger blieb Volker Bouffier. An dem Andenpaktbruder aus seligen Junge-Union-Tagen, der Koch einst in der parteiinternen Seilschaft „Tankstelle“ den Vortritt als Spitzenkandidat gelassen hatte, führte auch in der hessischen CDU kein Weg vorbei. Anders als der für seinen wirtschaftspolitischen Sachverstand, seine Nervenstärke und seinen Kampfeswillen auch in scheinbar aussichtsloser Lage in der Partei geachtete Koch, erreicht der liebevoll „Buffi“ gerufene Bouffier auch Herz und Seele vieler Parteimitglieder. Der frühere Basketballspieler ist der Kumpel von nebenan, der auf CDU-Festen gerne am Tresen das Pils für seine Freunde zapft oder mit ihnen gemeinsam ein Zigarillo pafft. Gewartet hätte Bouffier indes nicht mehr länger auf seine Berufung zum Regierungschef, wie er heute sagt: „Ich wäre nicht nach 15 Jahren Innenminister noch Ministerpräsident geworden.“

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