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Nach Anschlägen in Sachsen : Vier Festnahmen bei Razzien

  • -Aktualisiert am

Im September wurde das Freitaler Büro der Linkspartei angegriffen. Bild: dpa

In Freital bei Dresden geht seit Monaten die sogenannte „Bürgerwehr Freital“ gegen Asylbewerber und Andersdenkende vor. Die Polizei hat bei einer Razzia nun den mutmaßlichen Kopf der Rechtsextremisten verhaftet.

          Bei der Durchsuchung von neun Wohnungen in Freital und Dresden haben Sachsens Polizei und Staatsanwaltschaft am Donnerstag vier Personen festgenommen, die mutmaßlich aus dem rechtsextremen Spektrum stammen. Gegen einen 26 Jahre alten Mann aus Freital seien dabei zwei Haftbefehle vollstreckt worden, teilten die Generalstaatsanwaltschaft Dresden und das für Extremismus zuständige Operative Abwehrzentrum (OAZ) mit. Nach MDR-Informationen soll es sich dabei um den Anführer der sogenannten „Bürgerwehr Freital“ handeln, die seit Monaten in der Kleinstadt bei Dresden gegen Asylbewerber und Andersdenkende mobil macht.

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Die weiteren Festgenommenen, drei Männer und eine Frau im Alter zwischen 24 und 28 Jahren, stammen den Ermittlern zufolge aus Freital und Dresden. Die Frau und der per Haftbefehl gesuchte Mann sollen an einem Sprengstoffanschlag am vergangenen Wochenende auf eine Wohnung von syrischen Asylbewerbern in Freital beteiligt gewesen sein, bei der ein Asylbewerber durch umherfliegende Glassplitter im Gesicht verletzt wurde. Darüber hinaus werfen die Ermittler den beiden und fünf weiteren Tatverdächtigen vor, Mitte Oktober an einem Anschlag mit Sprengstoff und Buttersäure auf ein alternatives Wohnprojekt in Dresden beteiligt gewesen zu sein. Gegen die mutmaßlichen Täter wird nun wegen der Sprengstoffanschläge, gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung ermittelt.

          Der 26 Jahre alte Mann aus Freital muss sich darüber hinaus für einen Angriff auf Flüchtlingsunterstützer Ende Juni verantworten. Er soll damals gemeinsam mit weiteren Beschuldigten nach einer wilden Verfolgungsjagd das Auto der Unterstützer eingekeilt und mit einem Baseballschläger die Scheiben des Fahrzeugs eingeschlagen haben. Dabei wurde einer der Insassen verletzt. In diesem Fall hat das Amtsgericht Dresden bereits Anklage erhoben.

          Bei den Durchsuchungen am Donnerstag wurden zudem Spreng- und Brandvorrichtungen, darunter Cobra-12-Sprengkörper („Tschechenböller“), Kugelbomben und Schwarzpulver, sowie Vermummungs-Mittel, eine Hakenkreuzflagge und nationalsozialistische Devotionalien beschlagnahmt, teilten die Ermittler mit.

          Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU), der erst vor zwei Wochen das jetzt mit den Ermittlungen betraute Sonderdezernat zur Bekämpfung politisch motivierter Kriminalität ins Leben gerufen hatte, sagte, der Einsatz zeige, dass Sachsen in der Lage sei, „konsequent gegen rechte Gewalttäter und Brandstifter“ vorzugehen. „Gewalt gegen Flüchtlinge und feige, nächtliche Übergriffe auf Asylunterkünfte sind auch in der aktuellen europäischen Flüchtlingskrise in keiner Weise zu tolerieren.“ Sachsens Grüne forderte Ulbig auf, ein Verbot sogenannter Bürgerwehren in Sachsen zu prüfen. Man wisse, dass Bürgerwehren ein bedeutende Rolle bei der Eskalation gegenüber Asylbewerbern und deren Unterkünfte spielten, sagte der innenpolitische Sprecher Valentin Lippmann.

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