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Diesel-Drama : Viele Wohnmobile von Fahrverboten betroffen

Fabrikneue Wohnmobile auf dem Werksgelände von Knaus Tabbert (Bild von 2011) Bild: dpa

Schon bald sollen Diesel-Fahrverbote in mehreren Großstädten in Kraft treten. Hunderttausende Wohnmobile dürfen dann nicht mehr dort fahren. Aber es gibt Ausnahmen. Wie gerecht geht es zu?

          Die Wohnmobil-Branche boomt seit Jahren. Etwa eine halbe Million solcher Fahrzeuge sind heute in Deutschland zugelassen, die weitaus meisten von ihnen haben einen Diesel-Motor. Und so verfolgen wohl Hunderttausende Besitzer von Freizeitmobilen die Diskussion über Diesel-Fahrverbote. Die Nachfrage nach Neufahrzeugen schmälert sie anscheinend nicht. Ein Einfluss der Diesel-Debatte „lässt sich für uns nicht feststellen“, teilt Hersteller Hymer mit. „Die gesamte Branche verzeichnet deutliche Zuwächse.“

          Stefan Tomik

          Redakteur in der Politik.

          Doch für etliche Wohnmobilbesitzer dürfte es bald eng werden: Gleich in mehreren Städten drohen flächendeckende Fahrverbote, auch ein Abschnitt der Autobahn A 40 soll für ältere Dieselfahrzeuge gesperrt werden. Wer in einer Fahrverbotszone wohnt, darf künftig womöglich nicht einmal mehr zum Be- und Entladen an die eigene Haustür fahren. Oder er muss eine Ausnahmegenehmigung beantragen. In Stuttgart gilt das sogar auch für durchreisende Touristen. Und wer keine Genehmigung bekommen kann, muss die Fahrverbotszonen künftig umfahren.

          Wohnmobile werden meistens auf Transporter-Fahrgestellen aufgebaut. Der Fiat Ducato ist das meistverbreitete Basisfahrzeug. Mercedes Sprinter oder VW Crafter gelten als robuster, sind aber auch teurer. Nur äußerst selten sind Wohnmobile mit Benzinmotor unterwegs, ihr Anteil liegt unter fünf Prozent. Des geringeren Verbrauchs wegen bieten Hersteller bislang fast nur Dieselantriebe an. Der Kunde hat kaum eine Wahl. Gasfahrzeuge sind in dem Markt wahre Exoten, und Elektrofahrzeuge gibt es schon deshalb noch nicht, weil für die in der Praxis erforderliche Reichweite von mindestens 600 Kilometern sehr teure und viel zu schwere Batterien benötigt würden. Viele Freizeitmobile kommen dem zulässigen Gesamtgewicht ohnehin schon bedrohlich nahe.

          Wenn Anreize zur Strafe werden

          Etwa 85 Prozent aller zugelassenen Wohnmobile erfüllen noch nicht die Abgasnorm Euro 6, schätzt der Caravaning Industrie Verband, und sind damit unmittelbar von den Diesel-Fahrverboten betroffen. Während in Hamburg und Berlin nur einzelne Straßen gesperrt sind oder gesperrt werden sollen, drohen etwa in Frankfurt, Stuttgart, Hannover, Köln und Essen großflächige Fahrverbote in der ganzen Umweltzone. Teils schon ab Januar, spätestens ab dem Frühjahr dürfen Euro-4-Fahrzeuge nicht mehr fahren, ab Herbst auch solche mit Euro 5 nicht mehr. Davon werden sogar Wohnmobilisten mit noch gar nicht so alten Fahrzeugen kalt erwischt.

          Wohnmobile sind langlebig, ihr Durchschnittsalter liegt bei 13,6 Jahren. Selbst die derzeit auf dem Markt angebotenen Neuwagen erfüllen nicht die modernste Norm Euro 6d oder 6d temp. Sie wird erst bei Neuzulassungen ab September 2019 verpflichtend sein. Bei allen anderen Euro-6-Fahrzeugen jedoch kann sich ihr Besitzer nicht sicher sein, dass sie nicht auch irgendwann noch auf die schwarze Liste kommen. Das Umweltbundesamt rät vom Kauf bereits ab.

          Oldtimer-Wohnmobile mit H-Kennzeichen wie dieses hier genießen freie Fahrt in jeder „Umweltzone“.

          Nun sind Innenstädte meist nicht das eigentliche Ziel von Reisemobilisten und die Fahrzeuge auch nicht für den Stadtverkehr geschaffen. Zum Brötchenholen ist ein Wohnmobil ungefähr so geeignet wie ein Vorschlaghammer zum Bilder aufhängen. Doch was sollen deren Besitzer tun, wenn sie in einer Fahrverbotszone wohnen und zumindest vor Reisebeginn ihr Gepäck laden wollen? Eine bundseinheitliche Regelung wird es nicht geben. Die betroffenen Städte haben unterschiedliche Antworten gefunden – oder noch gar keine.

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