https://www.faz.net/-gpf-8jngk

Video von mutmaßlichem Täter : „Jetzt muss ich ’ne Waffe kaufen, um euch alle abzuknallen“

Ein Twitter-Screenshot zeigt einen Ausschnitt aus dem Handyvideo, das sich am Freitagabend rasend schnell im Netz verbreitete: Ein Mann versucht in breitestem Bayerisch, einen Mann mit einer Waffe vom Schießen abzuhalten. Bild: Screenshot/Twitter/@Conflicts

Schon kurz nach dem Amoklauf von München kursieren im Internet Videos von Augenzeugen. Besonders eines von ihnen hält die Polizei für möglicherweise authentisch – darin gibt der mutmaßliche Schütze an, er sei in „stationärer Behandlung“ gewesen.

          Jede schreckliche Bluttat, so grausam das ist, hat im Nachhinein eine Schlüsselszene; ein Bild oder ein Video, das sich in das kollektive Gedächtnis einbrennt.

          Oliver Georgi

          Redakteur in der Politik.

          Beim Terrorangriff auf die Pariser Redaktion von „Charlie Hebdo“ war es die erschütternde Ruhe, mit der die Terroristen in einer Nebenstraße mit ihren Maschinenpistolen herumliefen und dabei von einem Dach aus gefilmt wurden. Bei den Anschlägen im vergangenen November in der französischen Hauptstadt war es das Handyvideo eines Konzertbesuchers im Club Bataclan, der die Panik festhielt, die nach dem Eindringen der Terroristen in den Saal ausbrach.

          Auch in München filmten Passanten am Freitagabend verstörende Szenen. Besonders eine Aufnahme verbreitete sich danach rasend schnell im Internet: Ein verwackeltes Handyvideo, aufgenommen offenbar auf dem Dach eines Parkhauses, das einen bewaffneten Mann auf einem gegenüberliegenden, niedrigeren Parkdeck zeigt. Der Mann mit dem Handy schreit zu dem Mann hinüber, er will ihn vom Schießen abhalten, beschimpft ihn als „Arschloch“.

          „Jetzt muss ich 'ne Waffe kaufen, um euch alle abzuknallen“

          Der Mann mit der Waffe brüllt in akzentfreiem Deutsch zurück: „Wegen euch bin ich gemobbt worden sieben Jahre lang. Und jetzt muss ich ne Waffe kaufen, um Euch alle abzuknallen.“ Als der Mann mit dem Handy ihn als „Scheiß Kanaken“ beschimpft, antwortet er: „Ich bin Deutscher, hört auf zu filmen. Ich bin hier geboren worden.. [unverständlich] in der Hartz-IV-Gegend.. [unverständlich] ...war stationär in Behandlung... [unverständlich] ...ich hab nix getan.“

          In dem Video spricht der Mann mit der Waffe akzentfreies Deutsch und gibt an, er sei „gemobbt“ worden und in „stationärer Behandlung“ gewesen.

          Danach kippt die Aufnahme zur Seite, laute Schüsse fallen, Menschen schreien in Panik, Polizeisirenen sind zu hören. Das Handy schwenkt noch einmal zurück auf das Parkdeck, der Mann mit der Waffe ist wieder da, schießt noch einmal scheinbar wahllos um sich. Kurz darauf bricht die Aufnahme ab.

          Lange ist am Freitagabend unklar, ob es sich bei dem Mann auf dem Parkdeck um den oder einen der Täter handelt – zu diesem Zeitpunkt geht die Polizei ja noch von „bis zu drei Verdächtigen“ aus. Auf einer Pressekonferenz in der Nacht erklärt der Münchner Polizeipräsident Hubertus Andrä dann, die Polizei gehe davon aus, dass es sich bei der Person in dem Video um den Täter handeln könnte.

          Gegen 20.30 Uhr hatten die Beamten die Leiche des Deutsch-Iraners, den die Polizei derzeit für den Tatverdächtigen hält, in einer Nebenstraße in der Nähe des Olympia-Einkaufzentrums gefunden. Auch eine Pistole stellten sie sicher.

          Anmerkung der Redaktion: Wir haben uns dagegen entschieden, das Handyvideo im Bewegtbild zu zeigen, um dem mutmaßlichen Täter keine zusätzliche unnötige Plattform für seine Tat zu geben. Stattdessen veröffentlichen wir aus Dokumentationsgründen Screenshots.

          Weitere Themen

          Droht ein neuer Kalter Krieg? Video-Seite öffnen

          FAZ.NET-Video von der MSC 2019 : Droht ein neuer Kalter Krieg?

          Das Ende des INF-Vertrags führt zu neuen Spannungen in der Weltpolitik. Wird sich die Geschichte wiederholen? Die FAZ.NET-Redakteure Kathrin Jakob und Lorenz Hemicker gehen der Frage bei der Sicherheitskonferenz in München nach.

          Droht der Welt ein nukleares Wettrüsten?

          Live-Diskussion : Droht der Welt ein nukleares Wettrüsten?

          Amerika, Russland und China rüsten auf. Wie gefährlich ist das? Welche Rolle sollte die Nato übernehmen? Und wie viel Verantwortung muss Deutschland tragen? Die Diskussion mit den F.A.Z.-Experten auf der Münchner Sicherheitskonferenz.

          Russischer Außenminister Sergej Lawrow am Rednerpult Video-Seite öffnen

          FAZ.NET-Livestream : Russischer Außenminister Sergej Lawrow am Rednerpult

          Auf der 55. Münchner Sicherheitskonferenz lieferten sich am Samstag bereits Merkel und Pence ein Rededuell. Yang Jiechi, der oberste Außenpolitiker Chinas, sprach sich für Multilateralismus aus. Nun ist Russlands Außenminister an der Reihe. Verfolgen Sie die Konferenz hier im Livestream.

          Topmeldungen

          Zum Tod von Bruno Ganz : Die Welt läuft falsch

          Bruno Ganz ist gestorben, mit 77 Jahren, zu Hause in Zürich. Zum Schauspielen benötigte der größte deutschsprachige Mime seiner Generation kaum etwas anderes als sein Gesicht, seinen Blick und seine Stimme.

          Merkel in München : Die Instant-Führerin der freien Welt

          Einer der letzten Auftritte der Kanzlerin in München wird zu ihrem größten Triumph. Selbstbewusst und bescheiden zugleich hält sie ein flammendes Plädoyer für Multilateralismus. Viele zollen ihr stehend Applaus. Doch eine bleibt sitzen.

          Live-Diskussion : Droht der Welt ein nukleares Wettrüsten?

          Amerika, Russland und China rüsten auf. Wie gefährlich ist das? Welche Rolle sollte die Nato übernehmen? Und wie viel Verantwortung muss Deutschland tragen? Die Diskussion mit den F.A.Z.-Experten auf der Münchner Sicherheitskonferenz.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.