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Verwirrung über Krippenplätze : Höhere Mathematik

  • -Aktualisiert am

Bild: Illustration: Cyprian Koscielniak

Die „Krippenkatastrophe“ ist ausgeblieben. Es gibt nur ein paar Dutzend Klagen. Die Betreuungsquote für Kleinkinder ist gestiegen. Aber um wie viel? Statistiker und Ministerium nennen sehr unterschiedliche Zahlen.

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          Die Krippenkatastrophe ist ausgeblieben. Deutschlandweit gibt es nach Angaben des Deutschen Städtetages nur etwa 50 Klagen auf einen Krippenplatz. Der Rechtsanspruch auf einen Betreuung für Kinder im Alter von ein bis drei Jahren besteht seit dem 1. August; die Zahl der Plätze ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen und steigt noch weiter.

          Das Thema, einst ein Prestigeprojekt der damaligen Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU), bleibt im Fokus der Bundesregierung. Zu groß ist die Gefahr, junge Eltern als Wähler zu verprellen oder als wortbrüchig hingestellt zu werden. Nur so ist zu erklären, dass am Dienstag bereits zum zweiten Mal das Bundesfamilienministerium mit einer eigenen Pressemitteilung Zahlen des Statistischen Bundesamtes zum Kita-Ausbau nach oben korrigiert hat, und zwar am gleichen Tag. Das erste Mal geschah das im Juli.

          Am Dienstag nun meldeten die Statistiker aus Wiesbaden, dass die Betreuungsquote der unter Dreijährigen (also der Anteil der in Kitas oder bei Tagesmüttern betreuten Kinder an der Gesamtzahl der Altersgruppe) zum 1. März 2013 auf 29,3 Prozent in ganz Deutschland gestiegen sei. Im Vorjahr lag sie noch bei 27,6 Prozent.

          Das konnte das Familienministerium so nicht stehen lassen. Denn das beim „Krippengipfel“ 2007 mit den Ländern vereinbarte Ziel war es, für 35 Prozent der Kinder einen Platz zu schaffen. Nach weiteren Bedarfsanalysen wurde diese Zahl nun vom Familienministerium auf 39 Prozent angehoben. Nach den am Dienstag vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Zahlen wäre die erreichte Betreuungsquote also unter dem selbst gesteckten Ziel zurück geblieben.

          Schröder fragt aktuelle Zahlen ab

          Familienministerin Kristina Schröder (CDU), deren Haus wie alle anderen Ministerien jeweils eine Woche zuvor vom Statistischen Bundesamt über dessen geplante Veröffentlichungen informiert wird, hatte also Gelegenheit, in den Bundesländern deren aktuelle Zahlen abzufragen. Während aber die Statistiker tatsächlich betreute Kinder zählen, melden die Länder geschaffene oder im Kita-Jahr 2013/2014 noch entstehende Plätze – unabhängig davon, ob sie schon besetzt sind oder nicht. Die Länder sind dazu verpflichtet, weil sie Rechenschaft über die Verwendung der Fördermittel des Bundes ablegen müssen. Nach seiner Lesart kommt das Familienministerium auf eine Betreuungsquote von 40,3 Prozent. Die Botschaft lautet: Das Soll ist erfüllt.

          Schröder sagt, man sehe an den Zahlen ihres Hauses, dass Länder und Kommunen in den letzten Monaten vor dem Inkrafttreten des Rechtsanspruchs einen „außerordentlichen Endspurt beim Kita-Ausbau“ vollbracht hätten. Das stimmt zweifellos.

          „Der Ausbau dauert, der Bedarf wächst“

          Während das Statistische Bundesamt im März 596.300 betreute Kinder zählte, meldete das Familienministerium am Dienstag insgesamt 822.079 geschaffene Plätze. Dass es aber freie Plätze in einer solchen Größenordnung geben soll, widerspricht allen Berichten aus der Praxis. Wahrscheinlich ist es so, wie der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, Stephan Articus, es am Dienstag salomonisch formulierte: „Wie viele Plätze bundesweit noch fehlen, kann derzeit niemand verlässlich sagen, weil der Ausbau andauert und gleichzeitig der Bedarf weiter wächst.“

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