https://www.faz.net/-gpf-9twr1

Gießener Verwaltungsgericht : Slogan „Migration tötet“ keine Volksverhetzung

  • Aktualisiert am

Das NPD-Plakat „Migration tötet“ bei einer Demonstration am 19. Mai in Köten, Sachsen-Anhalt Bild: dpa

Beim Europawahlkampf ließ eine Bürgermeisterin in der Wetterau Plakate der NPD entfernen. Die klagte – und bekam nun recht. Der Richter urteilt, sie sage nur die Wahrheit.

          1 Min.

          Wahlplakate der NPD mit dem Aufdruck „Migration tötet“, die die rechtsextreme Partei während des Europawahlkampfes verwendet hatte, erfüllen nicht den Tatbestand der Volksverhetzung. Das geht aus einem Urteil des Verwaltungsgerichts Gießen (Az.: 4 K 2279/19.GI) hervor, das bereits Anfang August erging und über welches das Redaktionsnetzwerk Deutschland und das Rechtsmagazin „Legal Tribune Online“ am Samstag berichteten.

          „Nach vorstehenden Ausführungen ist der Wortlaut des inkriminierten Wahlplakats ‚Migration tötet‘ nicht als volksverhetzend zu qualifizieren, sondern als die Realität teilweise darstellend zu bewerten“, heißt es in dem Beschluss. Zur Begründung führt der verantwortliche Richter den Verlauf von Wanderungsbewegungen aus der Zeit von 3000 vor Christi Geburt bis in die Gegenwart ins Feld. Zudem verweist er auf Zahlen, die für Deutschland belegen sollen, dass es durch Zuwanderer zu mehr Sexual- und Tötungsdelikten gekommen sei.

          Einen besonderen Einfluss weist er den Folgen der Flüchtlingskrise von 2014 an zu. Sie habe die Gesellschaft verändert, zum Tode von Menschen geführt und könne langfristig das Ende der freiheitlich demokratischen Grundordnung in Deutschland nach sich ziehen.

          Der NPD dürfe es daher nicht verwehrt werden, „mit den Plakaten auf möglicherweise in Deutschland herrschende Missstände hinzuweisen und für ihre Ziele zu werben“, sagte der Richter, der damit zugleich auf den Auslöser der Klage zurückkam. Vor der Europawahl waren in der hessischen Gemeinde Ranstadt (Wetteraukreis) im Mai dieses Jahres Plakate der rechtsextremen Partei entfernt worden. Bürgermeisterin Cäcillia Reichert (SPD) rechtfertigte die Aktion seinerzeit mit dem Hinweis darauf, dass die Plakate Angst vor Ausländern schüre. Zudem werde die Menschenwürde von Zuwanderern in Deutschland verletzt, indem sie als potentielle Mörder stigmatisiert würden.

          Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der zuständige Richter ließ angesichts der über den Einzelfall ausgemachten Bedeutung zu, dass beim Hessischen Verwaltungsgerichtshof Berufung eingelegt wird. Laut „Legal Tribut Online“ hat Ranstadt das auch schon getan. Mit einem Urteil ist nicht vor kommendem Jahr zu rechnen.

          Weitere Themen

          Scheitern mit Ansage

          Impeachment-Verfahren im Senat : Scheitern mit Ansage

          Die Demokraten haben in der Auseinandersetzung um die Verfahrensregeln zur Amtsenthebung Donald Trumps kaum eine Chance. In zwei Punkten kommen ihnen aber moderate Republikaner zu Hilfe.

          Partei ohne Raum

          FAZ Plus Artikel: AfD in Berlin : Partei ohne Raum

          Seit Monaten will die Berliner AfD einen Parteitag abhalten, so wie es das Parteiengesetz vorsieht. Sie scheitert aber an ängstlichen Vermietern und den Protesten Linker.

          Topmeldungen

          Impeachment-Verfahren im Senat : Scheitern mit Ansage

          Die Demokraten haben in der Auseinandersetzung um die Verfahrensregeln zur Amtsenthebung Donald Trumps kaum eine Chance. In zwei Punkten kommen ihnen aber moderate Republikaner zu Hilfe.
          Kundgebung des „Bündnisses gegen Rechts“ gegen den Parteitag der Hamburger AfD Anfang Januar

          AfD in Berlin : Partei ohne Raum

          Seit Monaten will die Berliner AfD einen Parteitag abhalten, so wie es das Parteiengesetz vorsieht. Sie scheitert aber an ängstlichen Vermietern und den Protesten Linker.
          Unser Newsletter-Autor: Carsten Knop

          F.A.Z.-Newsletter : War Trumps Rede ein Desaster?

          Was der amerikanische Präsident mit Zukunftsoptimismus zu tun hat, wie Amazon-Chef Bezos Opfer eines Hacking-Angriffs wurde und was zum Aussterben der Dinos geführt hat. Das und mehr steht heute im Newsletter für Deutschland.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.