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Verwaltungsgericht Aachen : Keine Entschädigung für Eltern der verunglückten „Gorch Fock“-Kadettin

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Die „Gorch Fock“ vor ihrem Heimathafen in Kiel Bild: dpa

Vor sechs Jahren stürzte die Kadettin Jenny Böken vom Ausguck des Segelschulschiffs „Gorch Fock“ in den Tod. Nun hat das Verwaltungsgericht Aachen entschieden: Eine Entschädigung steht den Eltern der Verstorbenen nicht zu.

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          Die Eltern der 2008 auf der „Gorch Fock“ über Bord gegangenen Kadettin Jenny Böken sind mit einer Entschädigungsklage gegen die Bundesrepublik Deutschland gescheitert. Das Verwaltungsgericht Aachen wies am Mittwoch ihre Klage auf 40.000 Euro Entschädigung nach dem Soldatenversorgungsgesetz zurück. Nach diesem Gesetz steht den Eltern eines Soldaten eine Entschädigung zu, wenn dieser bei der Dienstausübung unter besonderer Lebensgefahr stirbt.

          Der nächtliche Wachdienst von Offiziersanwärtern auf der Gorch Fock auf dem Posten „Ausguck“ ohne Sicherung sei bei entsprechender Wetterlage zwar lebensgefährlich. Der Wachdienst sei aber nicht mit einer besonderen Lebensgefahr verbundenen, stellte das Verwaltungsgericht fest. Es sei nicht wahrscheinlich, bei diesem Dienst zu sterben, begründete der Vorsitzende Richter Markus Lehmler das Urteil. Auf der „Gorch Fock“ habe es in über 50 Jahren als Segelschulschiff mit mehr als 14.000 Kadetten nur eine geringe Zahl tödlicher Unfälle gegeben.

          „Wir sind enttäuscht“, sagte Jennys Vater Uwe Böken zum Urteil. Die Eltern wollen prüfen, ob sie Rechtsmittel einlegen. Das Gericht ließ offen, ob - wie von der beklagten Bundesrepublik angeführt - eine Verjährung eingetreten und die Frist für eine Entschädigungsklage schon abgelaufen war.

          Das Gericht hatte sich während des Prozesses verwundert darüber geäußert, dass die Staatsanwaltschaft Kiel eine Aussage des damals diensthabenden Wachoffiziers nicht weiter hinterfragt habe. Obwohl die Standardmeldung der damals Achtzehnjährigen bei der Nachtwache am 3. September 2008 um 23.30 Uhr ausgeblieben sei, habe der Wachoffizier nicht nachgesehen.

          Später habe er angegeben, Jenny Böken habe um 23.35 Uhr von ihrem Wachposten noch Schiffe gemeldet, fasste der Vorsitzende Richter Markus Lehmler am Mittwoch den Sachverhalt zusammen. „Wir haben uns gewundert, dass die Staatsanwaltschaft da nicht nachgefragt hat“, sagte er. Um 23.43 Uhr sei der Alarm „Mann über Bord“ gekommen.

          Den Eltern war es nach eigenen Angaben bei der Klage nicht um Geld gegangen. Sie hofften auf Erkenntnisse zu den Todesumständen ihrer Tochter. „So lange die Gesundheit das zulässt, werden wir keine Ruhe geben, bis wir wissen, was passiert ist“, hatte Uwe Böken vor der Verhandlung gesagt. Die Eltern werfen der Kieler Staatsanwaltschaft unzureichende Ermittlungen vor.

          Im August hatte an Bord des Segelschulschiffs in Rostock-Warnemünde ein Ortstermin zur Untersuchung des Todes der Kadettin stattgefunden. Die Eltern der jungen Frau, zwei Anwälte und das Gericht waren an Bord gegangen, um sich einen Eindruck von ihrem Arbeitsplatz auf Deck zu verschaffen.

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