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Bundeswehr : Ministerium prüft Kauf von amerikanischem Kampfflugzeug

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Das amerikanische Kampfflugzeug F/A-18 könnte den deutschen „Tornado“ ersetzen. Bild: Reuters

Die Luftwaffe muss ihren „Tornado“ in den nächsten Jahren ausmustern. Als Ersatz ist ein amerikanisches Kampfflugzeug in der engeren Auswahl. Der Zugriff auf Atomwaffen macht die Entscheidung knifflig.

          Für die Nachfolge des in die Jahre gekommenen Kampfflugzeugs „Tornado“ prüft das Bundesverteidigungsministerium den Kauf amerikanischer Maschinen vom Typ „F/A-18“. Dieses Kampfflugzeug sei zusammen mit dem „Eurofighter“ in der engeren Auswahl, hieß es am Donnerstag in Berlin aus dem Ministerium. Beide Hersteller müssten nun Informationen zu Betrieb, Wirtschaftlichkeit und zeitlichen Möglichkeiten geben. „Wir wollen die Rolle und die Fähigkeiten des „Tornados“ erhalten“, hieß es.

          Den „Tornado“ setzt Deutschland auch zur sogenannten nuklearen Teilhabe ein, ein Abschreckungskonzept der Nato, bei dem Verbündete Zugriff auf Atomwaffen der Vereinigten Staaten haben können. Dazu muss die Nachfolgemaschine von Amerika zertifiziert werden. Die F-18 hatte eine solche Zulassung bereits in einer früheren Baureihe.

          „Ein Zeichen für ein souveränes Europa“

          Deutschland verfügt derzeit über insgesamt 228 Kampflugzeuge, darunter 143 „Eurofighter“. Diese sind bereits im Einsatz für Aufgaben wie Luftverteidigung und Luftangriff und sollen in den nächsten Jahren teilweise durch neue „Eurofighter“-Modelle ersetzt werden. Ab 2040 will Deutschland zusammen mit Frankreich ein europäisches Kampfflugzeug verfügbar haben.

          Der 1984 eingeführte „Tornado“ hat in einer Stückzahl von insgesamt 85 Modellen zudem Funktionen wie Aufklärung und elektronischer Kampf. Großbritannien wird das Flugzeug noch in diesem Jahr einmotten, Italien im Jahr 2023. Damit steht Deutschland als letztes verbliebenes Land vor enorm steigenden Betriebskosten, die ab 2030 in die Milliarden gehen würden.

          Die Sonderrolle bei der nuklearen Teilhabe macht die Entscheidung über die Nachfolge aber politisch brisant und zulassungstechnisch anspruchsvoll: Nach offiziell unbestätigten Berichten lagern in Büchel in der Eifel 20 Atombomben, die mit dem „Tornado“ eingesetzt werden können. SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hatte im Wahlkampf den Abzug dieser Bomben gefordert. Parteiposition ist das aber nicht.

          Aus der Luftwaffe war zuletzt deutlich geworden, dass man dem „F/A-18“ als „Tornado“-Nachfolger zugeneigt ist, wegen der Fähigkeiten des Flugzeugs. Airbus als Hersteller des „Eurofighters“ hat dagegen betont, alle technischen Anforderungen bis hin zur Zertifizierung für die Teilhabe erbringen zu können.

          „Das wäre ein Zeichen hin zu einer Entscheidung für ein souveränes Europa und in der Gesamtbetrachtung auch im Blick auf Arbeitsplätze und Technologieerhalt die beste und logische Lösung für Deutschland“, sagte Airbus-Sprecher Florian Taitsch am Donnerstag. „Der Eurofighter kann, wie in Großbritannien, alle Fähigkeiten des Tornados übernehmen.“

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