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Verteidiger im NSU-Prozess : „Unser Mandant ist Nationalsozialist“

  • Aktualisiert am

Der Angeklagte André E. auf dem Weg zum Gerichtssaal Bild: dpa

André E. soll dem NSU bei der Tarnung geholfen haben. Dafür fordert die Bundesanwaltschaft zwölf Jahre Haft. Seine Verteidiger bescheinigen ihrem Mandanten nun eine rechtsextreme Gesinnung – die sei aber noch kein Beweis. Deshalb fordern sie Freispruch.

          Im NSU-Prozess hat der Verteidiger des Mitangeklagten André E. seinen Mandanten als bekennenden Rechtsextremisten bezeichnet. „Unser Mandant ist Nationalsozialist, der mit Haut und mit Haaren zu seiner politischen Überzeugung steht“, sagte Rechtsanwalt Herbert Hedrich am Dienstag zu Beginn seines Plädoyers vor dem Oberlandesgericht München. E. ist wie Beate Zschäpe einer der fünf Angeklagten und soll dem „Nationalistischen Untergrund“ (NSU) über Jahre hinweg bei der Tarnung geholfen haben.

          Hedrich sagte, er verteidige nicht die Gesinnung seines Mandanten und versuche auch nicht, die Taten des NSU zu rechtfertigen. Seine Aufgabe sei es aber, E. „gegen die gegen ihn gemachten Vorwürfe zu verteidigen“. Für die meisten Prozessbeteiligten scheine dagegen schon die politische Gesinnung „als Tatausweis ausreichend zu sein“.

          Die Bundesanwaltschaft hat zwölf Jahre Haft für E. beantragt, auch wegen Beihilfe zum Bombenanschlag auf ein Lebensmittelgeschäft in Köln. E. soll damals das Wohnmobil gemietet haben, mit dem die Täter nach Köln fuhren.

          Die Verteidiger des Mitangeklagten André E. forderten in ihrem Plädoyer einen Freispruch für ihren Mandanten. Die Anwälte Herbert Hedrich und Michael Kaiser wiesen vor dem Münchner Oberlandesgericht am Dienstag sämtliche Anklagevorwürfe zurück, allen voran den Vorwurf der Beihilfe zum versuchten Mord. Die von der Bundesanwaltschaft unterstellte enge Beziehung zu den drei mutmaßlichen NSU-Terroristen Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt habe es nicht gegeben. Und es gebe keinen Hinweis, dass E. an der Beschaffung von Waffen oder Sprengstoff beteiligt gewesen sei oder von geplanten Morden und Anschlägen des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ gewusst habe.

          Der NSU-Prozess in München hat vor fünf Jahren begonnen. Seit dem 6. Mai 2013 untersucht das Oberlandesgericht nun schon die Verbrechen des NSU. Dass der Prozess sich so lange hinzieht, hat auch mit dessen Umfang und der Zahl der Beteiligten zu tun: fünf Angeklagte mit zusammen gut einem Dutzend Verteidigern, drei Vertreter der Bundesanwaltschaft, rund 90 Nebenkläger sowie fünf Richter plus Ergänzungsrichter, mehrere hundert Zeugen, mehr als 100.000 Aktenseiten – ein Mammutverfahren.

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