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Umstrittene Kastrationspraxis : Landwirte sollen Ferkel bald selbst betäuben dürfen

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Das Leid der Ferkel wird wohl nicht besser: Landwirte sollen sie bald vor ihrer Kastration betäuben dürfen. Bild: dpa

Bislang müssen Bauern Ferkel vor der Kastration nicht betäuben. Eine Verordnung, die geschulten Landwirten genau das erlaubt, soll nun noch dieses Jahr in Kraft treten. Das Vorhaben ist nicht unumstritten.

          Eine Verordnung, die geschulten Landwirten das Betäuben von Ferkeln für die Kastration mit einem Gas erlaubt, soll noch in diesem Jahr in Kraft treten. Das sagte eine Sprecherin des Bundeslandwirtschaftsministerium in Berlin. Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) will, dass Bauern mit nachgewiesener Sachkunde das Inhalations-Narkosemittel Isofluran nutzen können. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete, sollen sie dafür einen Schnellkurs mit sechs Stunden Theorie plus Praxisteil absolvieren müssen. Die Anschaffung der dafür benötigten Narkosegeräte will das Ministerium fördern.

          Der Entwurf zur Isofluran-Verordnung habe bereits mehrere Schritte durchlaufen und werde nun entsprechend überarbeitet, teilte das Ministerium mit. Dann sollten weitere Schritte folgen, etwa die Anhörung der Tierschutzkommission. Es sei davon auszugehen, dass dieser Prozess etwa bis zum Herbst andauern werde, hieß es weiter.

          In Deutschland werden Millionen Ferkel wenige Tage nach der Geburt betäubungslos kastriert. Pro Jahr sollen rund 20 Millionen männlichen Ferkeln die Hoden abgeschnitten werden. Das soll verhindern, dass das Fleisch von Ebern einen strengen Geruch und Beigeschmack bekommt. Ein Verbot der Methode, das 2019 in Kraft treten sollte, hatte die große Koalition Ende des vergangenen Jahres um zwei Jahre aufgeschoben.

          Tierärzte haben Bedenken, dass Laien nach einer Schulung das Narkosemittel anwenden dürfen sollen. So müsse man etwa auch einschätzen können, ob das Tier überhaupt in einem für die Anwendung geeigneten Zustand sei. Die Berufsverbände der Veterinäre protestieren unter anderem deswegen gegen den Vorstoß des Landwirtschaftsministeriums. Der Deutsche Bauernverband dagegen glaubt, dass für die Narkose kein Tierarzt benötigt werde. Es geht ihnen vor allem um die dafür anfallenden Kosten.

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