Kurt Biedenkopf :
Als wir Ministerpräsident waren

Von Stefan Locke, Dresden
Lesezeit: 5 Min.
Beherzt für den Rabatt: Das Ehepaar Biedenkopf im vergangenen Herbst
Sachsen finanzierte Kurt Biedenkopf die Veröffentlichung seiner Tagebücher – dessen Nachfolger Stanislaw Tillich will damit nichts mehr zu tun haben.

Wenn Kommunikation schief geht, kann das an der Technik liegen. So notierte Sachsens Ministerpräsident Kurt Biedenkopf am 6. November 1990 in sein Tagebuch, wie seine Frau Ingrid bei einem Termin in Leipzig, zu dem sie zu früh bestellt waren, Bundespostminister Christian Schwarz-Schilling zur Schnecke machte: „Unsere noch immer ungelösten Probleme mit Westtelefonanschlüssen und meine Nervosität wegen der langen Zeit, in der wir nutzlos herumstehen, müssen in Ingrid enorme Energien freigesetzt haben. Jedenfalls stürzte sie sich, als sie seiner ansichtig wurde, auf Schwarz-Schilling und überhäufte ihn mit Vorwürfen wegen seiner mehrfachen, aber noch immer nicht eingelösten Versprechen, Telefonanschlüsse zu besorgen. Er verlor beinahe die Fassung. Offenbar jedoch war die Attacke notwendig. Denn sie löste eine sofortige Reaktion aus: Heute morgen um 7.00 Uhr stehen bereits Abgesandte der Postdirektion Telekom in der Schevenstraße vor der Tür, um uns einen Westanschluss einzurichten.“ In der Dresdner Schevenstraße lebten die Biedenkopfs und einige Minister des neu gegründeten Freistaats in einer Wohngemeinschaft.

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