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Fachmann zu Ausspähungen : „Ich halte deutsche Flughäfen für ziemlich sicher“

  • -Aktualisiert am

Polizisten gehen durch ein Terminal am Stuttgarter Flughafen. Die Sicherheitsmaßnahmen wurden nach Hinweisen auf Ausspähungsversuche verstärkt. Bild: dpa

Professor Kai-Dietrich Wolf erklärt im Interview mit FAZ.NET, wie er die vermeintlichen Ausspähungen am Stuttgarter Flughafen einschätzt – und welche neue Bedrohung er für den Luftverkehr durch Drohnen sieht.

          Herr Wolf, was waren Ihre ersten Gedanken, als Sie von Ausspähungen am Stuttgarter Flughafen gehört haben? (Anmerkung d. Red.: Die Polizei hat mittlerweile Entwarnung gegeben)

          Was mir dabei auffällt, ist der Beitrag, den die Videoaufnahmen geleistet haben. So hat man offenbar erkannt, dass es sich um verdächtige Aktivitäten handelt und konnte auch die Personen identifizieren. Hier sieht man, dass Technologien eingesetzt werden, die zumindest Probleme reduzieren können.

          Die Verdächtigen haben Fotos von der Fluggastkontrolle gemacht. Was könnte sie da interessiert haben?

          Da kann ich nur spekulieren. Aber wenn sie sich die Kontrollen anschauen, sind die Fragen: Was wird denn kontrolliert, wie wird kontrolliert? Vermutlich vor dem Hintergrund: Wie kann man da potenziell gefährliche Dinge durchbekommen? Es ist natürlich nicht auszuschließen, dass sich über solche Aufnahmen Schwachstellen feststellen lassen.

          Wie kann man solche Schwachstellen verringern?

          Man kann die Sicherheit immer verbessern, allerdings muss man auch fragen, welchen Preis man dafür zahlt und wie effektiv zusätzliche Maßnahmen wären. Jeder weiß, wie lange es dauert, durch die Sicherheitskontrollen am Flughafen zu kommen und wie aufwendig das schon ist. Ich halte deutsche Flughäfen für ziemlich sicher.

          Univ.-Prof. Dr.-Ing. Kai-Dietrich Wolf ist Leiter des Instituts für Sicherungssysteme an der Bergischen Universität Wuppertal.

          Das Thema Sicherheit an Flughäfen bekam vor allem 2016 mit dem Terroranschlag in Brüssel Aufwind. Seitdem versucht man verstärkt, Platz für größere Menschenansammlungen zu minimieren. Ist das sinnvoll?

          Menschenansammlungen zu vermeiden ist eine Security-Binsenweisheit. Aber, das muss man dazu sagen: Es ist auch etwas, was unsere persönliche Freiheit einschränkt. Wir sehen es ja auch auf Weihnachtsmärkten mit den Betonklötzen am Eingang. Da ist aber auch das Sicherheitsempfinden der Menschen unterschiedlich: Der eine fühlt sich dadurch sicherer, der andere unsicherer.

          Über all diesen Maßnahmen schwebt immer die Angst vor Terror. Ist das die einzige Bedrohung für unsere Sicherheit?

          Nein, es gibt auch ganz andere Bedrohungen, etwa Kriminalität, Vandalismus oder auch interne Bedrohungen in Unternehmen von Menschen, die etwa Aktienkurse beeinflussen wollen. Aber gemessen daran, wie stark die Auswirkungen von solchen Eingriffen in ein System sind, geht von Terror natürlich eine hohe Bedrohung aus. Das liegt vor allem daran, weil ein Terrorist eine überdurchschnittlich hohe Motivation hat, zum Ziel zu kommen.

          Flughäfen zählen zur sogenannten kritischen Infrastruktur. Müssen wir uns um die sorgen?

          Wir müssen keine Angst haben, aber wir sollten die Entwicklung aufmerksam verfolgen. Gerade die Verlegung vieler Strukturen ins Internet ist riskant: Mit zunehmender Vernetzung wächst auch die Angreifbarkeit. Cybersecurity ist auch für Flughäfen ein wichtiges Thema. Da muss man am Puls der Zeit sein und die Systeme aktuell halten. Aber bei Flughäfen sehe ich noch eine andere Bedrohung.

          Welche denn?

          Eine ganz neue Facette ist die Bedrohung durch Drohnen. Die Barrieren von Flughäfen wurden immer vom Boden aus aufgebaut. Um an sensible Orte zu kommen, muss man durch den Securitycheck und viele Türen. Drohnen umgehen das alles und kommen aus der Luft. Außerdem sind sie leicht zu bekommen und Flughäfen sind noch nicht darauf vorbereitet, sie abzuwehren.

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