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Verkorkste Kampagne : Das Impfen muss gelingen

  • -Aktualisiert am

Rücken an Rücken: Bundeskanzlerin Angela Merkel und Gesundheitsminister Jens Spahn (beide CDU) am 9. Dezember vor der Generaldebatte zum Bundeshaushalt im Bundestag Bild: dpa

Die Bundesregierung muss sich vorwerfen lassen, im Impfrennen hinterherzuhinken. Auf Deutschland kommt ein schwieriger Balanceakt zu.

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          Nichts gefährdet die ohnehin schon erlahmte Akzeptanz für weitere Corona-Einschränkungen mehr als eine verkorkste Impfkampagne. So klar es war, dass die Dosen sukzessive ankommen, so wenig ist nachvollziehbar, wieso Terminverteilung, technisch überlastete Leitungen und zentrale Impfstoffbestellungen aus Brüssel die rasche Verabreichung des in Mainz entwickelten Impfstoffs bremsen.

          Während andere Länder wie Israel, dessen Ministerpräsident Netanjahu um seine Wiederwahl kämpft, oder das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten im Impfrennen vorne liegen, muss sich die Bundesregierung vorwerfen lassen, die Impfstofforder an Brüssel delegiert zu haben und deshalb hinterherzuhinken. Sowohl Kanzlerin als auch Bundesgesundheitsminister hatten wiederholt darauf verwiesen, dass es keine nationalen Alleingänge beim Impfstoff geben werde – schon gar nicht als deutsche Ratspräsidentschaft im vergangenen Jahr. Das bedeutet aber nicht, dass die Brüsseler Strategie der Impfstoffbestellung kritiklos hingenommen werden musste.

          Zwar konnte im Sommer tatsächlich noch niemand ahnen, wann sich welcher Impfstoff durchsetzen werde. Dass der von Biontech/Pfizer zu den aussichtsreichsten gehörte, kristallisierte sich aber spätestens im Herbst heraus. Umso wichtiger ist es jetzt, verlorenes Vertrauen vor allem in der älteren Bevölkerung wiederzugewinnen.

          Zugleich werden die Politiker, die viel dazu beigetragen haben, dem Impfstoff eine Erlösungsfunktion zuzusprechen, darüber aufklären müssen, dass er zwar schwere Verläufe vermeidet, nicht aber verhindert, dass Geimpfte das Virus weiterverbreiten. Solange Geimpfte erkranken und als Virusträger ansteckend sein können, kann es keine Sonderrechte für sie geben. Viele werden sie aber zunehmend einfordern. Je mehr Menschen die ersehnte Impfung bekommen, desto mehr werden sich Einschränkungen verweigern. Denn sie wären gezwungen, sich an Regeln zu halten, deren Sinn und Zweck sie weniger einsehen denn je. Das ist der schwierige Balanceakt, der in den kommenden Monaten auf die Gesellschaft zukommt.

          Heike Schmoll
          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

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