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Verhinderte Missbrauchsstudie : Bischofskonferenz wehrt sich gegen Pfeiffers Kritik

Kritik an der Kirche: Zettel vor dem Dom in Paderborn Bild: dapd

Die Deutsche Bischofskonferenz geht mit einer Unterlassungserklärung gegen den Kirminologen Pfeiffer vor. Es gebe keine Hinweise auf Aktenvernichtung und Zensur, rechtfertigte ein Sprecher.

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          Die Deutsche Bischofskonferenz geht mit rechtlichen Schritten gegen Christian Pfeiffer, den Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN), vor, nachdem ein gemeinsames Forschungsprojekt zu sexuellem Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch Priester und Ordensangehörige in einen Eklat gemündet war. Ein Anwalt der Bischofskonferenz forderte Pfeiffer auf, künftig nicht mehr zu behaupten, die katholische Kirche wolle Forschungsergebnisse zensieren. Dies entspreche nicht den Tatsachen.

          Reinhard Bingener

          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          Im Zuge des Eklats hatte Pfeiffer auch gesagt, ihm lägen Hinweise vor, dass in mehreren Diözesen belastende Akten vernichtet würden. Dies wies der Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, Pater Hans Langendörfer, im Deutschlandfunk zurück: „Es gibt keinerlei Hinweise für Aktenvernichtungen.“

          Die Bedenken der Kirche

          Im Juli 2011 hatten der Verband der Diözesen Deutschlands (VDD) und das KFN auf Pfeiffers Anregung einen Vertrag über die wissenschaftliche Aufarbeitung von Missbrauchsfällen geschlossen. In der Folge gab es jedoch wachsende Bedenken in der Kirche. Diese hätten, hieß es aus Kirchenkreisen, vor allem den Pflichten der Kirche gegenüber ihren Dienstnehmern und Problemen des Datenschutzes gegolten. Das Projekt sei über Vorarbeiten und Probeläufe in Hildesheim und Trier nicht hinausgekommen. Die Kirche widersprach somit der Darstellung, das von Pfeiffer besonders angegriffene Erzbistum München und Freising habe die Herausgabe von Akten eingestellt. Aus dem Erzbistum hieß es, man habe vorgesehene Anonymisierungen für unzureichend gehalten. Ein Gutachten einer Rechtsanwältin habe Bedenken bestätigt. „Wir können die Archive nicht zum rechtsfreien Raum machen.“

          Es gab im Jahr 2012 mehrere neue Vertragsentwürfe zwischen dem KFN und dem VDD mit unterschiedlichen Vorgaben zum Datenschutz. Als die Gespräche stockten und die Spannungen zwischen Langendörfer und Pfeiffer wuchsen, habe man gegen Ende 2012 eine im Vertrag vorgesehene unabhängige Mediation begonnen, die aber aus Sicht beider Seiten fruchtlos blieb. Zuletzt habe man nur noch eine einvernehmliche Trennung angestrebt. Nachdem Pfeiffer eine entsprechende Erklärung nicht unterzeichnet habe und an die Öffentlichkeit gegangen sei, habe man den Vertrag am Mittwoch gekündigt.

          „Pfeiffer ist erste Adresse in Deutschland“

          Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) sagte am Donnerstag im Deutschlandfunk, die Entscheidung, die Zusammenarbeit mit dem KFN zu beenden, erwecke den Eindruck, als wollten Kirchenvertreter nicht unabhängig aufklären lassen. Möglicherweise habe die Kirche am Ende ihre Hand auf gewonnenen Erkenntnissen halten wollen. Über Pfeiffer sagte die Ministerin, er „gehört wirklich mit zu den ersten Adressen in Deutschland“. Zwischen der Justizministerin, die dem Beirat der kirchenkritischen Humanistischen Union angehört, und der Deutschen Bischofskonferenz war es bereits im Februar 2010 zu einem Streit gekommen. Erzbischof Zollitsch verlangte vergeblich von der Ministerin, Äußerungen zurückzunehmen, mit denen sie in Zweifel zog, die Kirche wolle Missbrauch rückhaltlos aufklären und konstruktiv mit den Behörden zusammenarbeiten.

          Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück, bezeichnete das Scheitern der Studie im SWR als „außerordentlich schädlichen Vorgang“. Er wisse nicht, weshalb Datenschutzfragen „plötzlich ein unlösbares Problem geworden“ seien. Die Bischofskonferenz müsse bei ihrer Tagung in zwei Wochen ihren „Aufklärungswillen“ bekräftigen. Der Präsident des Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, sagte der „Saarbrücker Zeitung“: „Ich habe den Verdacht, dass starke Kräfte in der katholischen Kirche jetzt nach der Methode ,vergessen und vergeben‘ arbeiten.“

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