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Neue Studie : Verhindern Bodycams Gewalt gegen Polizisten?

Achtung, das wird aufgezeichnet: Polizistin in Hessen mit Bodycam-Anstecker Bild: dpa

Die Angriffe auf Polizeibeamte nehmen zu. Körperkameras gelten als Mittel der Deeskalation. Doch eine neue Studie kann ihren Erfolg nur zum Teil belegen.

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          Zwei Polizeibeamte aus Frankfurt gingen an Wochenenden im Stadtteil Sachsenhausen auf Streife und sahen sich zunehmender Gewalt ausgesetzt. Sie wollten etwas gegen die Angriffe durch Randalierer und Angetrunkene unternehmen und schlugen vor, ihre Einsätze mit gut sichtbaren Kameras zu filmen. In einigen amerikanischen Städten ist das seit langem üblich. 2013 wurden zunächst in Frankfurt, später in drei weiteren hessischen Polizeipräsidien Modellversuche gestartet.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Timo Steppat

          Redakteur in der Politik.

          Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Hessen spricht von einer „Erfolgsgeschichte“. Jens Mohrherr, stellvertretender Landesvorsitzender, sieht in den Bodycams ein „Mittel der Deeskalation“: Das rote Licht signalisiere: Achtung, was jetzt geschieht, wird dokumentiert. Das mache möglichen Aggressoren deutlich, so Mohrherr, dass ihr Handeln rechtliche Konsequenzen habe, und schütze dadurch Polizisten.

          Tatsächlich ist die Zahl der Angriffe auf Polizisten im einjährigen Modellzeitraum gesunken. Um 37,5 Prozent nahmen Angriffe auf Beamte ab, in absoluten Zahlen sanken sie von 40 auf 25 in Frankfurt. In anderen Ländern, wo die Körperkameras inzwischen auch eingeführt wurden, fällt der Rückgang geringer aus, meist handelt es sich um etwa 20 Prozent. Die Bundespolizei, die auch Körperkameras einsetzt, hat dazu keine belastbaren Daten, so das Innenministerium.

          In Baden-Württemberg, wo Bodycams seit Januar 2019 flächendeckend im Einsatz sind, ist ihre Wirkung nun in einer Studie evaluiert worden, die der F.A.Z. vorab vorliegt. Demnach wirken Bodycams durchaus deeskalierend und tragen dazu bei, Konflikte zu entschärfen, nicht immer können sie Gewalt gegenüber Polizisten aber verhindern. Nachweisbar ist, dass es durch die Nutzung der Kameras weniger leichte und schwere Körperverletzungen gab; aus Furcht vor der Videodokumentation schrecken offenbar viele Angreifer vor weiteren Attacken sofort zurück, die Bodycams hätten also „in den aufgeheizten Stimmungslagen zumindest eine dämpfende Funktion“.

          Ein Drittel der Angriffe auf Polizisten finden in Privat- und Geschäftsräumen statt

          Allerdings konnte die Technik nicht dazu beitragen, „verbalaggressive Gewalt“ und Gewalt gegen Polizisten im Allgemeinen grundsätzlich abzubauen. Keine messbare präventive Wirkung entfaltet die neue Technik bei Menschen, die unter Einfluss von Drogen stehen und dann mit der Polizei in Konflikt geraten. Gering scheint die deeskalierende Wirkung auch zu sein, wenn die Bodycams gegen Menschen eingesetzt werden, die gezielt eine gewalttätige Auseinandersetzung mit der Polizei suchen. Hingegen ist sogar bei „steuerungsunfähigen Personen“, also Menschen mit psychischen Problemen, eine Verminderung des Aggressionspotentials beobachtet worden.

          Inzwischen dürfen Polizeibeamte in Bayern, Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen die Kameras auch bei Wohnungsdurchsuchungen einsetzen. In Baden-Württemberg, wo derzeit das Polizeigesetz geändert wird, könnten Beamte diese Möglichkeit künftig auch bekommen. Sinnvoll erscheint das aus Sicht des dortigen Innenministeriums, weil 31 Prozent der gewalttätigen Übergriffe auf Polizisten im Südwesten in privaten Wohn- und Geschäftshäusern stattfinden.

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