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Vergewaltigung in Mülheim : Das Problem liegt in den Familien

Die Vergewaltigung einer Frau offenbar durch mehrere Minderjährige in Mülheim ist erschütternd – aber noch kein Grund für Änderungen des geltenden Rechts.

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          Die Vergewaltigung einer jungen Frau offenbar durch mehrere Minderjährige ist erschütternd – aber noch kein Grund für Änderungen des geltenden Rechts. Wichtig ist, für das Opfer zu sorgen und die Täter zur Rechenschaft zu ziehen. Das ist bei den vierzehn Jahre alten Verdächtigen mit dem Jugendstrafrecht möglich. Und auch im Fall von nicht strafmündigen Kindern hat der Staat die Möglichkeit zu Sanktionen.

          Aber soll man generell Kinder schon mit zwölf Jahren vor Gericht stellen können? Das dürfte die – wenigen – Verrohten, die solche Taten begehen, nicht abschrecken und ihrer weiteren Entwicklung und der Gesellschaft nicht unbedingt dienen. Richtig ist aber auch, dass diese gesetzlichen Grenzen nicht in Stein gemeißelt sind.

          Der Trend geht ja ansonsten dahin, jungen Leuten mehr Rechte zu geben – siehe die ewige Debatte über die Herabsetzung des Wahlalters – und sie eher wie Erwachsene zu behandeln. Richtig ist auch, dass in manchen hiesigen Parallelwelten Kinder und Jugendliche gezielt für Straftaten missbraucht werden – bis hin zu „Ehrenmorden“. In dem Wissen, dass die Jüngsten vom deutschen Recht – aus gutem Grund – am meisten geschützt werden.

          Das Problem liegt also weniger im Strafrecht als in den Familien, bei den Eltern, denen der Staat ja zuvörderst die Erziehung zuweist. Wenn die Eltern versagen und der Familienverband oder Clan archaische Sitten vorlebt – dann kommt das Strafrecht zu spät. Es ahndet die individuelle Schuld eines Strafmündigen.

          Schuld hat aber schon der Staat auf sich geladen, der Strukturen duldet, in denen Kinder Kapitalverbrechen begehen.   

          Reinhard Müller
          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

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