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Politischer Islam : Verfassungsschutz warnt vor Muslimbrüdern in Ostdeutschland

  • -Aktualisiert am

„Attraktiv und gut erreichbar“

Elgazar betont dagegen, dass die SBS unabhängig sei und lediglich Kontakte zur IDG pflege, „so wie zu vielen anderen muslimischen Verbänden auch“. Es gebe aber keinerlei organisatorische oder finanzielle Verbindungen. Die Verwendung des Logos auf den Plakaten sei „irreführend und zweifelsohne sehr ungeschickt“ gewesen. Er ist sichtlich um Schadensbegrenzung bemüht, er zeigt Fotos, auf denen er beim Neujahrsempfang mit Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich sowie mit Bürgermeistern zu sehen ist. Der dreifache Familienvater kam bereits vor 17 Jahren nach Dresden, er ist promovierter Physiker, war Vorsitzender des Islamischen Zentrums der Landeshauptstadt und ist heute Geschäftsführer des Marwa-El-Sherbini-Zentrums, das nach der 2009 in Dresden ermordeten Ägypterin benannt wurde.

Präsident des Thüringer Verfassungsschutzes, Stephan Kramer, sieht in der Ausbreitung der Muslimbruderschaft viel Gefahrenpotential.

Die Einrichtung im Zentrum Dresdens wurde vor allem in den vergangenen zwei Jahren zur Anlaufstelle und zum Gebetsort für immer mehr Muslime. Bei der Gründung 2009 kamen rund 180 Teilnehmer zum Freitagsgebet, seit dem Flüchtlingszuzug sind es rund 3500, Tendenz steigend. „Wir sind in die Heime gegangen und haben für unser Zentrum geworben“, sagt Elgazar stolz. „Heute sind wir die größte Gemeinde hier, attraktiv und gut erreichbar.“ Längst platzt der kleine Flachbau in der Innenstadt aus allen Nähten, auch ein Anbau sowie zusätzliche Zelte reichten kaum aus, auch weil viele Muslime aus der Umgebung nach Dresden zum Gebet kämen.

Offene Tür für Infiltration

Deshalb habe er im Mai 2016 die SBS gegründet mit ihm und seinen drei Kindern als Hauptgesellschaftern, eine kleinen Anteil hält zudem der Pressesprecher des El-Sherbini-Zentrums, ein zum Islam konvertierter Deutscher aus Mannheim. Heimstätten und Gebetsräume für Muslime in der Provinz wollen sie schaffen. „Dass wir dabei im Geld schwimmen, wie der Verfassungsschutz behauptet, grenzt an Rufmord“, sagt Elgazar. „Wir finanzieren uns ausschließlich aus Spenden unserer Mitglieder.“ Von den bisher zehn Standorten sei nur ein Haus in Pirna gekauft worden; ein „Schnäppchen“, wie Elgazar sagt. In anderen Städten in den ohnehin von Abwanderung geprägten Regionen mietete die SBS meist kleine Ladenlokale für 550 Euro warm im Durchschnitt.

„Muslime vor Ort leiten die Stätten, alles läuft demokratisch“, sagt Elgazar. Um Bürgermeistern die Skepsis zu nehmen, hat er ein acht Punkte zählendes Konzept geschrieben, das Transparenz vermitteln soll und in dem selbst Gender-Mainstreaming ein Unterpunkt gewidmet ist. Man wolle „unter dem Gesichtspunkt der Vielfalt von Lebensentwürfen zur Herstellung von Chancengleichheit beitragen“, heißt es dort. Elgazar gibt zu, weitere Anlaufstätten in Sachsen und Brandenburg mieten oder kaufen zu wollen, fürchtet aber nun Probleme wegen der Aussagen des Verfassungsschutzes. „Wir vertreten einen unpolitischen Islam“, beteuert er. In einer Mitteilung an die Öffentlichkeit erklärt die SBS zudem, ausschließlich religiöse Inhalte zu predigen, sich zu Demokratie und Rechtsstaat zu bekennen und loyal zu Deutschland zu sein. Auch die Haltung der SBS zur Scharia stehe „in keinem Interessenkonflikt“ zum „demokratischen System der Bundesrepublik Deutschland“.

Für den sächsischen Verfassungsschutzpräsidenten ist genau das Teil der Strategie. „Muslimbrüder sind stets sehr geschmeidig in der Diskussion“, sagt Meyer-Plath. Genau mit diesem harmlosen Auftreten aber öffneten sie der Infiltration Tür und Tor.

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