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Verfallene Schlösser : „Für mich ist das wie Auftragsmord“

Aus der Ferne gar nicht so übel: Schloss Promnitz an der Elbe Bild: Amac Garbe

Die Decke stürzt herab, wo einst Fürsten feierten. Schloss Promnitz war eine prächtige Anlage im Stil der Renaissance - jetzt ist es dem Verfall preisgegeben. Doch Promnitz ist kein Einzelfall.

          Überall sind Brombeeren, wilde Rosen und Holunder. Im Hof, an den Hauswänden, vor der Eingangstreppe. Sie wachsen ringsherum aus Ritzen zwischen den mit Gras und Moos überwucherten Sandsteinplatten empor, als wollten sie die Anlage mit einem natürlichen Wall schützen. Und sie ranken durch kaputte Fenster längst bis ins Innere des Gebäudes. Unweigerlich kommt einem der Gedanke an Dornröschen, nur dass hier schon lange niemand mehr wohnt. Willkommen auf Schloss Promnitz! Willkommen an der Elbe!

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          „Das wächst einem alles vollkommen über den Kopf“, sagt Rudolf Schmitz. Der Sechsundsechzigjährige kämpft sich zum Eingang vor. Schmitz ist Vorsitzender des Kultur- und Schlossvereins Promnitz. Dessen Ziel ist es, die zu den Kulturdenkmälern zählende Anlage vor dem Verfall zu retten. Kann gut sein, dass es dafür bereits zu spät ist. Allein in Sachsen gilt heute von 800 Schlössern, Rittergütern und Herrenhäusern gerade mal ein Drittel als gesichert. Dagegen seien gut 500 dieser Kulturdenkmäler stark sanierungsbedürftig, teilt das Landesamt für Denkmalpflege mit. Etwa 40 davon sind gar akut vom Einsturz bedroht.

          Im Jahr 1603 erbaut

          Davon mag Schmitz lieber gar nichts hören, auch wenn allein ein Rundgang in Promnitz seinen Optimismus merklich dämpft. In der Eingangshalle türmt sich Bauschutt, das Erdgeschoss gleicht einer Müllhalde. Linoleum wellt sich auf den alten Dielen, nasse Polstermöbel liegen übereinandergeworfen herum, die Tapete hängt in Fetzen von den Wänden. Die Fenster: kaputt, zum Teil mit Folie vernagelt, die der Wind zerrissen hat. Nur ein Blick an die Decke verrät ein wenig von der einstigen Pracht: Kreuzgewölbe, weitgehend unversehrt.

          Der große Fürstensaal mit Kronleuchter: Prächtig muss er mal ausgesehen haben Bilderstrecke

          Promnitz liegt, nur durch die Elbe getrennt, direkt gegenüber der Stadt Riesa und ist mit ihr seit Jahrhunderten über eine Fähre verbunden. Der Schlussstein im Schlossportal verrät bis heute das Baujahr 1603 und ebenso die Initialen der Bauherren: R.V.K für Rudolph von Köckeritz und A.G.V.S für seine Ehefrau, Agnes von Schönberg. Sie ließen hier, vermutlich auf den vorhandenen Gemäuern eines Vorwerks, eine zweiflügelige Anlage im Stil der Renaissance errichten, inklusive Treppenturm im Westflügel.

          Der Treppenturm, immerhin, ist eingerüstet. „Das Gerüst steht schon seit Jahren“, sagt Rudolf Schmitz. „Alles nur Gemache, um zu suggerieren, dass hier etwas losgeht.“ Doch nichts geht los, schon seit 20 Jahren nicht. 1995 verkauft die Treuhandanstalt Promnitz für eine symbolische Mark an einen Landwirt aus Ludwigsburg. Die Anlage, in der DDR Sitz einer LPG, die hier Büros, Wohnungen, Kantine und einen Laden eingerichtet hatte, war heruntergewirtschaftet, aber baulich intakt. In der Lokalzeitung ist damals zu lesen, der Käufer habe sich verpflichtet, 900.000 Mark in das Schloss zu investieren sowie 400 Quadratmeter Wohnraum in den Nebengebäuden zu sanieren.

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