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Konkurrenz für die AfD : „Weckruf“ sucht Parteinamen

Bernd Lucke ist das bekannte Zugpferd des „Weckrufs“. Bild: dpa

Die im Verein „Weckruf“ organisierten ehemaligen AfD-Mitglieder suchen nach einem Namen für eine eventuelle Parteineugründung. Diskutiert wird darüber, ob die politische Ausrichtung noch im Namen auftauchen soll.

          Unter früheren AfD-Mitgliedern, die sich in dem Verein „Weckruf 2015“ organisiert haben, wird über den Namen für eine neue Partei diskutiert. Nach Informationen dieser Zeitung ist eine Arbeitsgruppe aus vier Personen damit beschäftigt, entsprechende Ideen auszuwerten und bis zum Ende der Woche einen Namensvorschlag zu unterbreiten. Am Sonntag soll bei einer Versammlung der 70 sogenannten Länderkoordinatoren des „Weckrufs“, der fünf aus der AfD ausgetretenen Europaabgeordneten und des „Weckruf“-Vorstandes über eine Parteineugründung entschieden werden. Das wurde allen „Weckruf“-Unterstützern am Sonntag in einer E-Mail angekündigt, die der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vorliegt.

          Justus Bender

          Redakteur in der Politik.

          Eine weitere Arbeitsgruppe aus fünf Personen soll bis zum Donnerstag um 23 Uhr ein Parteiprogramm erarbeiten, das im Wesentlichen aus den „Politischen Leitlinien“ und den Bundestags- und Europawahlprogrammen der AfD bestehen wird. Trotz etlicher Übereinstimmungen sollen Formulierungen gefunden werden, die Nationalkonservativen einen Beitritt zur neuen Partei als unattraktiv erscheinen lassen, etwa durch eine weniger starke Betonung der deutschen Nation. Eine weitere Arbeitsgruppe ist damit beauftragt, einen Satzungsentwurf zu verfassen, andere Arbeitsgruppen bereiten die Gründung einer Bundesgeschäftsstelle und die Schaffung einer Mitgliederverwaltung vor.

          Innerhalb der Führung des „Weckrufs“ wird die Namenswahl in Abwägung von drei Möglichkeiten diskutiert. Eine Möglichkeit lautet, eine Buchstabenfolge zu finden, welche die Einordnung der neuen Partei als konservativ-liberale Kraft verdeutlicht und möglichst mit dem Buchstaben „A“ beginnt, weil dieser in Wahllisten weit oben steht, etwa „Allianz der Konservativ-Liberalen“ (AKL) - eine Abkürzung, die auch von der „Antikapitalistischen Linken“ (AKL) verwendet wird. Die zweite Möglichkeit besteht in der Suche nach einem „sprechenden Begriff“, ähnlich dem „Weckruf“ oder den „Piraten“. Diese Möglichkeit gelte deshalb als vorteilhaft, weil solche Begriffe leichter einprägbar seien, heißt es in „Weckruf“-Kreisen. Als dritte Möglichkeit wird der Verzicht auf eine politische Verortung als konservativ liberale Kraft gesehen. Stattdessen könnte ein neutraler Name gefunden werden, etwa „Allianz der Mitte“ (AdM). Bis 2012 hatte es schon einmal eine Kleinpartei mit diesem Namen gegeben, die dann mit der Deutschen Konservativen Partei fusionierte. Die „Weckruf“-Arbeitsgruppe zur Namensfindung hat noch keine Bewertung der eingegangenen Vorschläge vorgenommen. Es soll jedoch eine Tendenz zugunsten eines „sprechenden Begriffs“ geben.

          Eine Gruppe von drei aus der AfD ausgetretenen Abgeordneten in der Bremer Bürgerschaft hat sich unterdessen am Montag in „Bremer Bürgerliche Reformer“ (BBR) umbenannt. „Wir alle sehen unsere politische Zukunft nicht mehr in der Partei“, sagte der frühere Bremer AfD-Landesvorsitzende Christian Schäfer mit Blick auf die AfD. Die politische Arbeit der Abgeordneten soll von der Umbenennung nicht betroffen sein. Ob die drei Abgeordneten auch einer neugegründeten Partei des „Weckruf“-Vereins beitreten werden, ließen sie am Montag offen.

          Unklarheit besteht weiter über die Frage, ob die neue Partei von dem früheren AfD-Vorsitzenden Bernd Lucke oder von den Europaabgeordneten Ulrike Trebesius und Bernd Kölmel geführt werden soll. Im Umfeld Luckes wird dessen Wahl zum alleinigen Parteivorsitzenden aber als wahrscheinlich angesehen. Ein vom „Weckruf“ beauftragter Marktforscher soll bei der Vorstellung seiner Analyse gesagt haben, dass Lucke einerseits die größte Bekanntheit habe, andererseits aber mit der Gründung der AfD gescheitert sei, was in der Öffentlichkeit eine Negativwirkung haben könnte. Sollte Lucke nicht Parteivorsitzender werden, soll er nach Informationen dieser Zeitung als Spitzenkandidat für die Bundestagswahl 2017 aufgebaut werden. Zugleich sollen auch Kandidaten für die Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz gefunden werden. In diesen Bundesländern könnte die neue Partei des „Weckrufs“ erstmals direkt mit der AfD um Wählerstimmen konkurrieren.

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