https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/verdacht-der-vorteilsnahme-staatsanwaltschaft-durchsucht-wulffs-privathaus-in-grossburgwedel-11669766.html

Verdacht der Vorteilsnahme : Staatsanwaltschaft durchsucht Wulffs Privathaus in Großburgwedel

  • Aktualisiert am
Durchsucht: das Wohnhaus der Familie Wulff in Großburgwedel

Durchsucht: das Wohnhaus der Familie Wulff in Großburgwedel Bild: dpa

Die Staatsanwaltschaft Hannover hat das Haus der Familie Wulff in Großburgwedel durchsucht. Die Aktion sei „auf freiwilliger Basis“ ohne Durchsuchungsbeschluss verlaufen, sagte ein Sprecher. „Herr Wulff war kooperativ.“

          2 Min.

          Die Staatsanwaltschaft hat am Freitagnachmittag das Privathaus des früheren Bundespräsidenten Christian Wulff durchsucht. Nach Angaben eines Sprechers der Staatsanwaltschaft Hannover waren an der Durchsuchung des Hauses in Großburgwedel neben einem Vertreter der Anklagebehörde fünf Beamte des niedersächsischen Landeskriminalamts beteiligt.

          Es seien unter anderem Computer mit Festplatten beschlagnahmt worden. Die Aktion habe im Einvernehmen mit Wulff stattgefunden, weshalb ein förmlicher Durchsuchungsbeschluss nicht nötig gewesen sei. „Herr Wulff war kooperativ“, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft der Nachrichtenagentur Reuters.

          Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt gegen den 52 Jahre alten früheren Bundespräsidenten  wegen des Verdachts der Vorteilsannahme und Vorteilsgewährung, weil dieser sich als niedersächsischer Ministerpräsident auf Kosten des Filmunternehmers David Groenewold einen Kurzurlaub auf Sylt hatte bezahlen lassen. Allerdings hatte Wulff betont, er habe dem Unternehmer den Betrag in bar zurückerstattet. Eine von Groenewolds Firmen hatte zuvor in Niedersachsen eine Landesbürgschaft erhalten. Wulff hatte sein Amt Mitte Februar niedergelegt, nachdem er monatelang wegen eines umstrittenen Hauskredits und seinen Kontakten zu Unternehmerfreunden in der Kritik stand.

          Durchsucht: Christian Wulff am Freitag auf dem Weg in sein Haus in Großburgwedel Bilderstrecke
          Durchsucht: Christian Wulff am Freitag auf dem Weg in sein Haus in Großburgwedel :

          Am Freitag wurde überdies bekannt, dass die Staatsanwaltschaft Hannover  im Zuge der Ermittlungen gegen Wulff auch Büroräume und die Wohnung des Filmproduzenten David Groenewold durchsucht hat. „Wir bestätigen hiermit, dass gestern eine einvernehmlich mit der Staatsanwaltschaft Hannover vereinbarte Durchsuchung der Wohn- und Geschäftsräume unseres Mandanten stattfand“, teilte Groenewolds Anwaltskanzlei Moser Bezzenberger mit.

          Die Staatsanwaltschaft in Hannover wollte die Durchsuchung nicht kommentieren. Die Ermittler stellten nach Informationen der „Bild“-Zeitung am Donnerstagabend in Berlin umfangreiches Daten- und Aktenmaterial sicher. Groenewold werde sich seiner Kanzlei zufolge zu dem laufenden Verfahren mit Rücksicht auf die Arbeit der Ermittlungsbehörden derzeit nicht äußern.

          Die Staatskanzlei in Hannover übergab den Ermittlern unterdessen weitere Unterlagen. „Insgesamt wurden rund 450 Seiten aus unserem Haus abgegeben“, sagte ein Sprecher von Ministerpräsident David McAllister (CDU). In allen Ministerien würden Mitarbeiter weiter nach Unterlagen zum Verhältnis zwischen Wulff und Groenewold suchen. Es werde zudem nach Akten zum Verhältnis zwischen Groenewold und Wulffs früherem Sprecher Olaf Glaeseker gesucht. Gegen ihn ermittelt die Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit dem Lobby-Treffen Nord-Süd-Dialog wegen Verdachts der Bestechlichkeit.

          „Focus Online“ berichtete, dass die Hausdurchsuchung in Großburgwedel schon für Donnerstag geplant gewesen sei. Wegen der Anwesenheit zahlreicher Journalisten sei die Aktion aber kurzfristig abgesagt worden. Staatsanwaltschaft und Wulffs Anwalt Gernot Lehr wollten dazu auf dpa-Anfrage keine Stellungnahme abgeben. Die Ermittler rechnen damit, dass das Verfahren gegen Wulff mehrere Monate dauern wird. Rund 20 Beamte sind mit dem Fall beschäftigt.

          Vor zwei Wochen hatte die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen Wulff und Groenewold wegen möglicher Vorteilsannahme und Vorteilsgewährung eingeleitet. Groenewold soll Wulff in dessen Amtszeit als niedersächsischer CDU-Regierungschef Urlaube auf Sylt bezahlt haben. Wulff bestreitet dies.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Donald Trump bei einer Wrestlingveranstaltung im März 2023 in Oklahoma.

          Mögliche Anklage : Trump wird der falsche Prozess gemacht

          Trump hat Schlimmeres getan, als einer Pornodarstellerin Schweigegeld zu zahlen. Würde er nach einer Anklage freigesprochen, so schadete das wichtigeren Verfahren.

          Abnehmen am Bodensee : Hier fasten die Superreichen

          Scheichs und Adlige, Manager und Politiker, selbst Hollywoodstars: Die Fastenklinik Buchinger Wilhelmi am Bodensee ist eine Pilgerstätte der Reichen und Superreichen. Es ist eine merkwürdig heile Welt.
          Polarisiert, sogar in anderen Parteien als ihrer eigenen: Sahra Wagenknecht

          Linke 2.0 : Warum Wagenknecht zögert, eine neue Partei zu gründen

          Ihre Gegner sagen, Sahra Wagenknecht fehle das Talent zum Organisieren. Außerdem sei sie nicht belastbar genug. Wagenknechts Umfeld sorgt sich vor rechten Mitläufern. Oder gibt es noch einen anderen Grund?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.