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Verdacht der Bestechlichkeit : Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Glaeseker

  • -Aktualisiert am

Freie Fahrt: Sprecher Glaeseker (links) mit dem damaligen Ministerpräsidenten Wulff 2007 in Baltrum Bild: dapd

Der frühere Wulff-Sprecher Olaf Glaeseker ist von der Staatsanwaltschaft Hannover angeklagt worden. Es geht um Korruptionsfälle in der Amtszeit Glaesekers als niedersächsischer Regierungssprecher.

          Die Staatsanwaltschaft Hannover hat am Mittwoch den früheren Sprecher von Christian Wulff, Olaf Glaeseker, wegen Bestechlichkeit in drei Fällen angeklagt. Sie wirft ihm vor, als niedersächsischer Regierungssprecher neun Mal von dem Veranstaltungsmanager Manfred Schmidt zu kostenlosen Urlauben in dessen Wohnhäuser in Frankreich und Italien eingeladen worden zu sein.

          Die kostenlose Unterbringung und insgesamt 19 Freiflüge hätten einen Gesamtwert von 12.000 Euro. Dafür habe Glaeseker die Suche nach Sponsoren für drei Großveranstaltungen von Schmidt, die „Nord-Süd-Dialoge“, „gefällig gefördert“. Für Schmidt, der sich seit drei Monaten in Bangkok aufhält, soll es um Vorteile in Höhe von 650.000 Euro gegangen sein. Gegen ihn wurde am Mittwoch Anklage wegen Bestechung erhoben.

          Der 51 Jahre alte Glaeseker - der von der Gruppe aus vier Staatsanwälten und 24 Ermittlern bisher nicht vernommen wurde - und Schmidt bestreiten die Anschuldigungen. Sie seien seit nahezu 15 Jahren nachweislich eng befreundet und hätten sich schon vorher und auch nach der Entlassung Glaesekers als Sprecher des damaligen Bundespräsidenten Wulff vor gut einem Jahr wechselseitig besucht. Zudem habe Glaeseker auch Schmidt mehrfach eingeladen. Die Staatsanwaltschaft übersandte Glaesekers Anwalt Guido Frings am Mittwoch nach 14 Monaten dauernden Ermittlungen die 134 Seiten lange Anklageschrift. Darin werden 47 Zeugen genannt, die Anlagen füllen 53 Aktenordner. Der Prozess soll noch in diesem Jahr vor dem Landgericht Hannover beginnen, falls das Gericht ein Hauptverfahren eröffnet. Glaeseker war 13 Jahre lang der Sprecher von Wulff und sein engster Vertrauter in Hannover und Berlin.

          Das Ermittlungsverfahren gegen den früheren Bundespräsidenten wegen des Verdachts der Vorteilsannahme und den Filmproduzenten David Groenewold wegen des Verdachts der Vorteilsgewährung hat die Staatsanwaltschaft unterdessen noch nicht abgeschlossen. Ein Sprecher sagte, der Abschluss des Verfahrens werde in den nächsten Wochen erwartet. Es gibt Hinweise, dass die Ermittlungen wegen eines nicht hinreichenden Tatverdachts eingestellt werden könnten.

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