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Verbrechen in Frankfurt : Was man über den mutmaßlichen Täter weiß

Zeichen der Trauer an Gleis 7: der Hauptbahnhof in Frankfurt einen Tag nach der Tat Bild: Marina Pepaj

Ein Mann aus Eritrea lebt mit Familie seit Jahren in der Schweiz. Dann bedroht er seine Nachbarin mit einem Messer – und stößt später in Frankfurt zwei Menschen vor den Zug.

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          Dort, wo am Frankfurter Hauptbahnhof Gleis 7 beginnt, befindet sich ein Meer aus Blumen. Dazwischen Briefe: „Ruhe in Frieden, kleiner Engel“, steht auf einem. „Ich habe keine Worte mehr“, auf einem anderen. Vom Bahnsteig dahinter wurden am Montag ein acht Jahre alter Junge und seine Mutter von einem Mann aus Eritrea auf das Gleisbett gestoßen. Die Mutter konnte sich retten, ihr Sohn wurde von einem einfahrenden Zug überrollt und starb noch am Unglücksort.

          Eckart Lohse

          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Julian Staib

          Politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.

          Am Tag danach ist es im Bahnhof immer noch ungewohnt ruhig. Reisende halten inne, schauen lange auf die Blumen. Rund ein Drittel der mehr als 750.000 Einwohner Frankfurts hat eine ausländische Staatsbürgerschaft; Menschen aus 170 Nationen leben hier im Großen und Ganzen gut zusammen; im Bahnhofsviertel gibt es mehr Ausländer als Deutsche. Die Tat widerspreche „allem, wofür Frankfurt steht“, schrieb Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD). „Wir Frankfurter stehen zusammen, wir haken uns unter, wir helfen selbstlos Menschen, wir retten sie aus der Not und sind für einander da – auch an Tagen wie heute, wo ein Schatten über der Stadt liegt.“

          Am Dienstag sollte der Tatverdächtige dem Haftrichter vorgeführt werden. Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen wegen Mordes und versuchten Mordes aufgenommen. Der Eritreer soll nicht nur die Mutter und ihren Sohn auf die Gleise gestoßen, sondern dies auch bei einer 78 Jahre alten Frau versucht haben, die jedoch auf dem Bahnsteig stürzte und daher nicht ins Gleisbett fiel. Sie erlitt nach Angaben der Staatsanwaltschaft einen Schock und wurde an der Schulter verletzt.

          Mutmaßlicher Täter in psychiatrischer Behandlung gewesen

          Bei einem gemeinsamen Auftritt mit Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) am Dienstag in Berlin nannte Bundespolizeipräsident Dieter Romann weitere Details zum Tathergang. Der Mann habe „mit starrem Blick“ hinter einer Säule gestanden. Dann habe er erst die Mutter auf die Gleise gestoßen, die sich „durch weiterrollen“ habe retten können. Ihr anschließend gestoßener Sohn sei dann vom Zug erfasst worden. Danach griff der Mann die ältere Dame an. Zum Motiv schweigt er offenbar. Auch Romann und Seehofer äußerten sich nicht zu einem Motiv. Es gibt nach Angaben der Staatsanwaltschaft keine Anhaltspunkte dafür, dass er unter Drogen stand. Ein Alkoholtest unmittelbar nach der Tat war negativ. Seehofer sprach von einem „kaltblütigen Mord“.

          Bei dem Tatverdächtigen handelt es sich um einen 40 Jahre alten Mann mit eritreischer Staatsbürgerschaft, er hat selbst drei Kinder und ist verheiratet. Seit 2006 lebt er in der Schweiz im Kanton Zürich. Wie die dortige Kantonspolizei am Dienstag mitteilte, sei der Mann in psychiatrischer Behandlung gewesen – bei einer Hausdurchsuchung habe man Dokumente gefunden, die darauf schließen lassen. In Berlin berichtete unterdessen Dieter Romann, der Mann – dessen vollständigen Namen der Bundespolizeipräsident mit Rücksicht auf die Familie nicht nennen wollte – sei damals unerlaubt in die Schweiz eingereist und habe Asyl beantragt. Dieses sei ihm 2008 gewährt worden.

          Romann und Seehofer sagten übereinstimmend, dass er zu einem Beispiel für gelungene Integration geworden sei – offenbar wurde das sogar in einer Broschüre des Unternehmens, für das er arbeitet, erwähnt. Am 25. Juli sei er jedoch aufgefallen, weil er seine Nachbarin mit einem Messer bedroht habe. Auch zuvor sei er schon auffällig geworden. Er sei in der Schweiz national zur Festnahme ausgeschrieben gewesen. Offenbar wurde er nur von den Schweizer Behörden gesucht.

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