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Jasper von Altenbockum (kum.)

Verbot von Salafisten-Verein : Es war höchste Zeit

Das Verbot des Vereins „Die wahre Religion“ war richtig, arbeiteten die Salafisten doch an der Zerstörung von Vertrauen, Bürgersinn und Kultur. Muslime in Deutschland sollten die Razzien auf jeden Fall als Unterstützung begreifen.

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          Es war höchste Zeit, dass der Koran-Kampagne „Lies!“ nach fünf Jahren Scharlatanerie endlich das Handwerk gelegt wird. Denn was wie schrullig-harmlose Heranführung an den Islam aussah, war Rekrutierung für den Terror. Es war eine sehr geschickte Methode, nicht nur auf der Straße, sondern vor allem in den „sozialen“ Netzwerken. Die salafistischen Extremisten tarnten sich dort als gläubige Sozialarbeiter und Kümmerer, arbeiteten aber an der Zerstörung von Vertrauen, Bürgersinn und Kultur. Jahrelang musste dafür Beweismaterial gesammelt werden, bis es jetzt schließlich zum Vereinsverbot gegen „Die wahre Religion“ reichte. Unser Staat sei wehrhaft, sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière. Angesichts von mehr als hundert Dschihadisten, die aus dem Dunstkreis der Terrorsympathisanten in Richtung Syrien und Irak geschickt wurden, muss aber hinzugefügt werden, dass dieser auch duldsame Staat mitunter Gefahr läuft, sich lächerlich zu machen.

          Das muss vor allem der Kopf des islamistischen Netzwerks gedacht haben, der Deutsch-Palästinenser Ibrahim Abou-Nagie. Er gab sich gern als der gute Onkel aus dem muslimischen Kiez aus, war den Sicherheitsbehörden aber als skrupelloser Agitator der deutschen Islamistenszene bekannt. Das konnte ihm jahrelang vor Gericht jedoch nicht nachgewiesen werden, ein Prozess wegen Sozialbetrugs des Langzeitarbeitslosen endete mit einer Bewährungsstrafe. Schon damals gehörte seine weitverzweigte Propaganda-Zelle zu den gefährlichsten neben Organisationen wie „Millatu Ibrahim“. Die Erfahrung mit ihnen lehrt: Wie Abou-Nagie können sich Strippenzieher ins Ausland absetzen, ihre Vereine werden verboten, aber die Agitation kehrt auf anderen Wegen zurück.

          Dennoch ist der Kampf gegen die Hydra des islamistischen Terrors keine Sisyphusarbeit innerer Sicherheit. Besonders aus muslimischer Sicht ist er das nicht. Das Blendwerk und die Hasstiraden von Vereinen wie der „Wahren Religion“ schaden dem Ansehen der Muslime, die dem Freund-Feind-Schema nicht gehorchen wollen, und haben dazu geführt, dass der Islam in einem beachtlichen Teil der deutschen Bevölkerung als nicht demokratiefähig gilt. Das erweist sich hoffentlich immer wieder als falsch. Die Muslime in Deutschland sollten Razzien wie diese jedenfalls als Unterstützung ihrer Integration begreifen – und zur Wehrhaftigkeit im Sinne dieser Integration ermuntern.

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          Jasper von Altenbockum
          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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