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Vatikan : Neue Enzyklika vertritt Theologie des alten Papstes

  • -Aktualisiert am

Papst Benedikt mit seinem Nachfolger im März in Castel Gandolfo Bild: dpa

Franziskus fügt dem „nahezu fertiggestellten“ Text Benedikts nur wenig hinzu. Seine erste Enzyklika hält fest, dass sich Vernunft und Glauben nicht widersprächen.

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          Papst Franziskus übernimmt in seiner ersten Enzyklika, die am Freitag vom Chef der Glaubenskongregation Erzbischof Gerhard Ludwig Müller in Rom vorgestellt worden ist, die Theologie seines Vorgängers Benedikt XVI. Während der Mitte März gewählte Südamerikaner dem Papstamt nach außen eine veränderte Form gibt, fügt er in seinem ersten Lehrschreiben, das mit den Worten „Licht des Glaubens“ (Lumen fidei) beginnt, dem von seinem Vorgänger Benedikt „nahezu fertiggestellten“ Text nur „einige weitere Beiträge“ hinzu, wie Franziskus schreibt. Mit diesem Werk von vier Händen wolle er die Einheit der Kirche bezeugen. Mit der Schrift wird in diesem „Jahr des Glaubens“ die von Benedikt begonnene Trilogie mit Enzykliken zur Liebe („Deus Caritas est“, 2005) und Hoffnung („Spe salvi“, 2007) abgeschlossen. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Erzbischof Robert Zollitsch würdigte die neue Enzyklika als „Wegmarke der Theologie“.

          Mit Berufung auf den britischen Kardinal John Henry Newman, der von Benedikt selig gesprochen wurde, hält die Enzyklika fest, dass sich Vernunft und Glauben nicht widersprächen. Glaube sei nicht das „trügerische Licht“, das den Menschen hindere, „sich wagemutig auf die Ebene des Wissens zu begeben“, wird in dem Papier eine entsprechende Behauptung von Friedrich Nietzsche erwidert. Der Glaubende könne im Licht des Glaubens besser erkennen und die Wahrheit der Welt auch wissenschaftlich besser verstehen. Es habe sich gezeigt „dass das Licht der eigenständigen Vernunft nicht genügend Klarheit über die Zukunft vermitteln kann. Diese bleibt in ihrem Dunkel und lässt den Menschen in der Angst vor dem Unbekannten zurück“, heißt es. Ohne den Glauben könne die Vernunft nicht zwischen Gut und Böse unterscheiden.

          Die Enzyklika kritisiert einen „fehlgeleiteten Glauben“ sowie die Vergötterung des Ichs. Durch den Glauben hingegen werde die Liebe selbst zur Quelle der Erkenntnis. Der Glaubende sei bescheiden, denn er wisse, dass all seine Kraft von Gott sei und darum das eigene Ich nicht im Zentrum stehen könne. Mit diesem Eingeständnis bekomme der Glaubende ein neues Ich: Er „wird Sohn des Sohnes“ Gottes: „Im Glauben dehnt sich das Ich aus, um von einem Anderen bewohnt zu werden“. Für den Glaubenden gehe es darum weniger um gute Taten und das Halten der Gebote, sondern darum, „mit Jesu Augen zu sehen“, schreibt Benedikt in der Enzyklika des Papstes Franziskus.

          Nach dem Lehrschreiben gibt den Glauben nur in einer Kirche, die ihn in seiner „Reinheit und Integrität“ bezeugt. „Wenn der Glaube nicht eins ist, ist er kein Glaube“, wird Papst Leo der Große zitiert. Wer einzelne Glaubenssätze ablehne, schade dem Glauben insgesamt, da diese eine Einheit bildeten. Glauben sei dadurch, dass Gottes Licht und Jesu Liebe in das Leben des Glaubenden träten, nicht eine individuelle Sache und ein privater Akt sondern habe Gemeinschaftscharakter. Die Enzyklika nennt die „Kirche eine Mutter, die uns lehrt, die Sprache des Glaubens zu sprechen“; Liturgie, Taufe und alle weiteren Sakramente seien Bausteine dieses Glaubens in der Gemeinde.

          Enzyklika endet mit Mariengebet

          Um die Einheit des Glaubens und seine Verbreitung zu sichern, habe Gott der Kirche die apostolische Sukzession geschenkt. Die nach katholischem Verständnis ununterbrochene Nachfolge der Apostel in den Bischöfen garantiere die Weitergabe des Glaubens von der „reinen Quelle“ aus. Mit dem Aufruf zur „Einheit der Kirche“ endet der Teil Benedikts, der in kurzen Sätzen seine Glaubenslehre formuliert. Darauf folgen zwei letzte Kapitel, die Züge einer Predigt aufweisen und eindeutig die Handschrift von Franziskus tragen, der Benedikts Lehrschreiben den Glaubenden näherbringen will. Während Benedikt von der Beliebigkeit und dem Relativismus der Moderne schreibt, benutzt Franziskus die Worte „moderne Anonymität“ und „geistige Verarmung“, aus der der Suchende nur herausfinden könne, wenn er den „brüderlichen Weg“ mit Jesus unter Gottes’ Vaterschaft einschlage.

          Abgelöst von Benedikts Vorlage sind hingegen Franziskus’ Überlegungen über das „Leiden der Welt“ und die Auseinandersetzung mit Franz von Assisi und Mutter Teresa: Jeder Christ wisse, „dass das Leiden nicht beseitigt werden, aber einen Sinn erhalten kann; dass es zu einem Akt der Liebe und des Sich-Anvertrauens in die Hände Gottes werden kann, der uns nicht verlässt“. Die Enzyklika endet - weit von den akademischen Denkstrukturen Benedikts entfernt - mit einem Mariengebet.

          Die Enzyklika Lumen fidei zieht sich weitgehend auf bekannte Glaubensinhalte zurück. Sie enthält keine praktischen Hinweise, wie die Kirche Menschen für den Glauben gewinnen kann. Benedikt vertrat stets die These vertreten, dass nur der mit Ungläubigen und mit anderen Religionen in einem Dialog treten könne, der fest zu den Lehren seines Glaubens steht. Franziskus, der in früheren Texten etwa schrieb, dass sich der Glaube in entfernten Weltgegenden auch erhalten konnte, obwohl über Generationen hin nur Laien tauften, verzichtete in seiner nun vorgelegten, ersten Enzyklika darauf, solche Standpunkte zu vertreten.

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