https://www.faz.net/-gpf-a1txy

Der Truppenabzug : Trumps Vergeltung

Präsident Trump bei einem Truppenbesuch im Dezember 2018 auf dem amerikanischen Luftwaffenstützpunkt in Ramstein. Bild: dpa

Mit dem Truppenabzug aus Deutschland schadet Washington auch den eigenen Interessen. Siegt wenigstens im Kongress noch die Vernunft?

          1 Min.

          Auch ein manischer Narziss kann offenbar depressive Phasen haben. Selbst dann hört Donald Trump aber nicht mit dem Übertreiben auf. Dass „niemand“ ihn möge, stimmt schließlich auch nicht. Trotz rückläufiger Popularitätswerte hat er immer noch Millionen Anhänger. Trumps Bemerkung, es könne „nur an meiner Persönlichkeit liegen“, dass ihm die Zuneigung entzogen werde, lässt sich nicht so leicht widerlegen. Seine Politik ist von einzigartigem Geltungsdrang durchzogen. Wer dem Präsidenten schmeichelt, wird belohnt; wer ihm keinen Honig um den Bart schmiert oder gar die Show stiehlt, bestraft.

          Zu diesen Vergeltungsmaßnahmen gehört auch der Truppenabzug aus Deutschland – zu einer Zeit, in der Berlin sich darum bemüht, die eigene Verteidigungsfähigkeit zu stärken, wie mit Recht von Trump gefordert. Allerdings kam aus der Sicht des Präsidenten noch etwas Unverzeihliches hinzu: „Angela“, die ihm auch sonst politisch nicht zu Willen ist, gab ihm einen Korb, als er zum G-7-Gipfel einlud, der schöne Bilder für den Wahlkampf geliefert hätte.

          Von da an war es Trump offenbar endgültig egal, dass die Schließung von Stützpunkten in Deutschland nicht nur die Gemeinden und Geschäfte treffen wird, die von der Präsenz der amerikanischen Soldaten profitierten. Trump schwächt mit dem Auszug auch die amerikanische Position im Herzen Europas. Er vergrößert damit die Zweifel am Beistand Washingtons. So erzeugt man nicht mehr Sicherheit, sondern weniger.

          Und wofür? Bis zur Wahl wird der jetzt alle Register ziehende Präsident seinem Publikum nicht melden können, dass der Um- und Rückzug vollendet sei. Die Aktion wird viel Geld kosten. Hauptquartiere im Umzugswagen sind nur bedingt abwehrbereit. Den Schaden, der mit dieser Aktion in der Nato – bis nach Peking sichtbar – angerichtet wird, erkennen in Washington nicht nur Außen- und Sicherheitspolitiker der Demokraten. Vielleicht siegt im Kongress selbst kurz vor der Wahl doch noch die Vernunft. Dafür würde man auch einen weiteren Ausbruch präsidentiellen Selbstmitleids hinnehmen.

          Weitere Themen

          Merkel hält Plädoyer für Multilateralismus Video-Seite öffnen

          75 Jahre UNO : Merkel hält Plädoyer für Multilateralismus

          In einer Videobotschaft zum 75-jährigen Bestehen der UNO hat Bundeskanzlerin Angela Merkel fehlenden Gemeinschaftssinn beklagt. Wegen der „Interessen einzelner“ funktioniere das Ordnungssystem nicht so, wie es sollte, erklärte Merkel.

          Harsches Urteil gegen chinesischen Regimekritiker

          18 Jahre Haft : Harsches Urteil gegen chinesischen Regimekritiker

          Der Mann, der Chinas Präsidenten Xi wegen der Corona-Krise hart anging, hatte früher Zugang zu mächtigen Parteikreisen. Nun ist Ren Zhiqiang in Ungnade gefallen. Das Urteil ist auch eine Warnung an andere Kritiker.

          Topmeldungen

          Neue Stadtteile : Deutschland baut XXL

          In den Metropolen fehlen zehntausende Wohnungen. Gegen den Mangel soll Neubau helfen, überall entstehen neue Stadtteile. Wir stellen die größten Projekte vor.
          Abtreibungsgegner demonstrieren vor dem Supreme Court in Washington D.C.

          Tod von Ruth Bader Ginsburg : Die Abtreibungsgegner spielen auf Sieg

          Die Lobby der Abtreibungsgegner will, dass Donald Trump noch vor der Wahl eine Nachfolgerin der verstorbenen Richterin Ruth Bader Ginsburg für den Supreme Court nominiert. Der Kampf dreht sich längst nicht mehr nur um Schwangerschaftsabbrüche.
          Was wird aus Tiktok?

          Amerika gegen China : Machtkampf um Tiktok

          Bytedance erklärt sich zum Sieger im Ringen um die Video-App, Trump pocht weiter darauf, dass Amerikaner das Sagen haben. Doch stimmt Peking überhaupt zu?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.