https://www.faz.net/-gpf-9mr86

Amerikanischer Botschafter : Grenell wirft Deutschland Heuchelei vor

  • Aktualisiert am

Der amerikanische Botschafter Richard Grenell wundert sich über Deutschland. Bild: dpa

Wer die Nato reformieren wolle, müsse auch das Zwei-Prozent-Ziel des Verteidigungsbündnisses einhalten, sagt der amerikanische Botschafter Grenell. Außerdem wiederholt er seine Warnung vor Geschäften mit Iran.

          Der amerikanische Botschafter in Berlin, Richard Grenell, hat Deutschland mit Blick auf seine Verteidigungsausgaben Heuchelei vorgeworfen. „Dass jemand sagt, man solle die Nato reformieren, aber die zwei Prozent nicht anstreben, finde ich heuchlerisch“, sagte er der „Bild“-Zeitung. Es habe ihn auch sehr überrascht, „wie viele deutsche Politiker versuchen, so zu tun, als sei das Zwei-Prozent-Ziel nur ein Ziel, aber keine wirkliche Verpflichtung“.

          Nach einer Übereinkunft der Nato-Staaten von 2014 soll jeder Bündnispartner spätestens ab 2024 mindestens zwei Prozent seiner Wirtschaftsleistung in den Wehrbereich stecken; die Bundesregierung verweist aber darauf, dass im Beschluss nur davon die Rede ist, sich in Richtung der zwei Prozent zu bewegen. Die mittelfristige Planung von Finanzminister Olaf Scholz (SPD) sieht für das Jahr 2023 lediglich 1,25 Prozent vor. Demnach müssten die Verteidigungsausgaben von 2023 auf 2024 um einen zweistelligen Milliardenbetrag erhöht werden, wenn das Ziel erreicht werden soll.

          Auch der amerikanische Präsident Donald Trump kritisierte abermals die aus seiner Sicht unfaire Lastenverteilung innerhalb der Nato, ohne Deutschland allerdings beim Namen zu nennen. „Wir verteidigen Europa. Es ist nicht fair. Sie bezahlen nicht, was sie bezahlen sollten“, sagte Trump am Mittwochabend bei einer Wahlkampfveranstaltung in Florida. „Sie müssen ihre Rechnungen bezahlen.“ Trump zeigte sich optimistisch, dass das auf seinen Druck hin gelingen werde.

          Grenell wiederholte seine Drohungen gegen Unternehmen, die die amerikanischen Sanktionen gegen den Iran unterlaufen. „Wir sagen: Du kannst im Iran so viele Geschäfte machen, wie du willst. Aber wir dürfen mitreden, was das Visum betrifft, denn wenn du das machst, sind wir nicht damit einverstanden, dass du unser Land betrittst.“

          Über sein erstes Jahr Amtszeit sagte Grenell: „Was mich überrascht hat, ist die Zurückhaltung der Deutschen innerhalb Europas, anstatt die Muskeln spielen zu lassen. Sie haben die stärkste Wirtschaft, ihre Arbeitskräfte sind phänomenal, ihr Erfindungsreichtum, ihre Kreativität, ihr Unternehmergeist sind die besten.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Donald Trump am 12. Juli in Milwaukee

          Provokation auf Twitter : Trumps Spiel mit dem Feuer

          Auf Twitter beleidigt Amerikas Präsident vier Parlamentarierinnen rassistisch. Mit der Provokation will er Konflikte unter den Demokraten schüren – und scheitert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.