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SPD-Kommentar : Ein Fall von Amnesie?

Seinerzeit von 100 Prozent der Delegierten gewählt: der einstige SPD-Vorsitzende und Kanzlerkandidat Martin Schulz Bild: dpa

Einige SPD-Größen berauschen sich gerade an der Idee einer Urwahl des nächsten Kanzlerkandidaten. Das sieht nach einem akuten Anfall von Amnesie aus.

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          Es ist nicht so, dass die SPD mit dem Thema „Urwahl“ Neuland beträte. 2011 kam der heutige niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil auf diesem Weg zu Spitzenkandidatur und Landesvorsitz. Damals hielten sich Hoffnungen und Befürchtungen die Waage, drohte doch ein knapper Ausgang die Partei zu spalten.

          Weder Belebung noch Befriedung

          So weit kam es nicht, trotz eines ähnlich knappen Vorsprungs wie jüngst bei der Wahl von Annegret Kramp-Karrenbauer zur CDU-Vorsitzenden. Der unterlegene Mitbewerber zeigte Haltung und ließ sich in die Pflicht nehmen.

          So kann es kommen, muss es aber nicht. Der Mitgliederentscheid, aus dem Rudolf Scharping 1993 als SPD-Vorsitzender hervorging, führte weder zur inhaltlichen Belebung der Sozialdemokratie noch zur innerparteilichen Befriedung.

          Es sieht daher nach einem akuten Anfall von Amnesie aus, wenn sich einige SPD-Größen an der Idee einer Urwahl des nächsten Kanzlerkandidaten berauschen. Das Unglück von Martin Schulz war doch nicht darin grundgelegt, dass ihn zwar ein Parteitag einstimmig zum Messias ausgerufen hatte, nicht aber die Basis.

          Daniel Deckers
          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

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