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Urteil zu Samenspenden : Woher kommen wir?

Der Bundesgerichtshof hat das Recht der Kinder, zu wissen, wer ihre leiblichen Eltern sind, gestärkt. Eine wichtige Entscheidung. Denn auf dem Spiel steht noch viel mehr: Familie und Kultur.

          Herkunft ist nicht alles. Im Gegenteil: Niemand darf wegen seiner Abstammung diskriminiert (und damit eigentlich auch nicht bevorzugt) werden. Aber es ist ein Menschenrecht, zu wissen, woher man kommt, woher man stammt, wer also Vater und Mutter sind. Das ist so natürlich, dass sich diese Frage meist gar nicht stellt. Aber was heißt schon natürlich? Auf die Natur berufen sich ja auch jene, die alles erlauben und machen wollen, was machbar ist.

          Nun kann man mit Fug und Recht darüber streiten, von welchem Alter an Kinder das Recht oder einen moralischen Anspruch darauf zu haben, etwas „wissen“ zu dürfen oder zu müssen; das gilt auch für die Herkunft, also die Frage, wer die leiblichen Eltern sind. Ohne Zweifel müssen gerade hier die Rechte der Kinder grundsätzlich vorgehen – auf der anderen Seite stehen die der „Kinderwunschzentren“ und die Interessen der Samenspender, die anonym bleiben wollen. Dieses Geschäftsmodell ist bedroht, wenn Kinder ein Recht auf Auskunft haben.

          Aber auf dem Spiel steht noch viel mehr: Familie und Kultur. Der Bundesgerichtshof hat deshalb jetzt das Recht der Kinder, zu wissen, wer ihre leiblichen Eltern sind, gestärkt. Dieses Recht bestehe von Geburt an, urteilte das Gericht. Die andere Seite der Medaille hatte es erst kürzlich hervorgehoben, indem es faktisch die Leihmutterschaft auch in Deutschland erlaubte. Indem die Karlsruher Richter die Elternschaft eines gleichgeschlechtlichen Paares, das in Amerika ein Kinder austragen ließ, hierzulande anerkannten, gab es unnötigerweise einem Strömung nach, die um Grunde alles andere als fortschrittlich und kinderfreundlich ist.

          Hier geht es ganz buchstäblich um den ordre public, um die öffentliche Ordnung in Deutschland. Und das ist keine Ordnung der Reagenzgläser und Samenbanken – sondern eine, die keine Lebensform diskriminiert, aber anerkennt, dass Kinder durch Vater und Mutter entstehen. Das Grundrecht eines jeden Kindes, seine Eltern kennenzulernen, bestätigt das nur. Wenn in diesen Tagen so viel vom Fundament unserer Kultur die Rede ist, die es zu verteidigen gelte – hier kann man anfangen. Die Verachtung, die dem Westen entgegenschlägt, hat schließlich ihre Gründe. Einer lautet: Relativismus und Selbstaufgabe.

          Reinhard Müller

          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

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