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Zschäpe im NSU-Prozess : „Verurteilen Sie mich nicht für etwas, was ich weder gewollt noch getan habe“

  • Aktualisiert am

Beate Zschäpe mit ihrem Verteidiger Mathias Grasel am Dienstag im OLG München Bild: AFP

In einem persönlichen Schlusswort distanziert sich die Hauptangeklagte im NSU-Prozess abermals vom Rechtsextremismus. Das Urteil gegen Beate Zschäpe und vier Mitangeklagte wird in wenigen Tagen gesprochen.

          Nach mehr als fünf Jahren steht der NSU-Prozess vor dem Abschluss. Am 11. Juli will das Oberlandesgericht München das Urteil gegen die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe und vier Mitangeklagte sprechen, wie der Vorsitzende Richter am Dienstag bekanntgab.

          Ebenfalls am Dienstag hatten die Angeklagten Gelegenheit zu einem persönlichen Schlusswort. Zschäpe nutzte die Gelegenheit, um sich abermals von der rechten Szene zu distanzieren. Rechtes Gedankengut habe für sie „gar keine Bedeutung“ mehr, sagte die 43-Jährige in ihrer selbst gesprochenen Aussage. Sie habe „mit diesem Kapitel abgeschlossen“. Zschäpe appellierte an das Gericht: „Bitte verurteilen Sie mich nicht stellvertretend für etwas, was ich weder gewollt noch getan habe.“

          Motiv: Fremdenhass

          Zschäpe wandte sich in ihrem Schlusswort auch direkt an die Angehörigen der zehn NSU-Opfer. Sie habe die „Not und Verzweiflung“ der Hinterbliebenen sehen und spüren können, sagte Zschäpe. Sie könne ihnen aber nicht die von ihnen erwünschte Antwort geben, warum Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt gerade sie als Opfer ausgewählt hätten. Sie wisse es nicht. Die meisten Opfer waren türkischer oder griechischer Abstammung.

          Zschäpes Freunde Mundlos und Böhnhardt hatten während der fast 14 Jahre, in der das Trio im Untergrund lebte, zehn Menschen erschossen und zwei Sprengstoffanschläge verübt. Das Motiv war in fast allen Fällen Fremdenhass. Ein Mordopfer war eine Polizistin in Heilbronn. Der NSU-Prozess soll klären, welche Schuld Zschäpe und die Mitangeklagten dabei haben. Mundlos und Bönhardt hatten sich selbst getötet.

          Die Bundesanwaltschaft sieht Zschäpe als Mittäterin und hat lebenslange Haft mit Sicherungsverwahrung gegen sie beantragt. Zschäpes zwei Verteidigerteams halten sie für die Morde und Anschläge für unschuldig. Unterschiedlich sehen die Verteidiger Zschäpes Schuld an den anderen Straftaten: Ihre drei ursprünglichen Pflichtverteidiger halten lediglich eine Strafe für einfache Brandstiftung für angebracht, ihre beiden Wunschverteidiger höchstens zehn Jahre Gefängnis wegen Beihilfe bei zahlreichen Überfällen.

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