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Namen von Attentätern : Höchststrafe

Der Oberste Gerichtshof Neuseelands. Bild: dpa

Die Höchststrafe für den Attentäter von Christchurch: lebenslang. Auch eine Höchststrafe: Die Namen von Terroristen nicht nennen – ihnen keine Bühne bieten.

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          Die Höchststrafe hat der Attentäter von Christchurch erhalten: lebenslang, ohne Möglichkeit einer vorzeitigen Entlassung für die Ermordung von 51 Personen bei einem Anschlag auf zwei Moscheen. Das Massaker unter jenen, von denen er glaubte, dass sie anders seien als er selbst, wie sein Richter nun sagte, übertrug der Täter per Helmkamera ins Internet. Er wollte morden, und er wollte, dass die Welt dabei zusieht. Das Gericht nannte die Tat so unmenschlich und erbarmungslos, dass die gesetzlich vorgesehene Höchststrafe im Grunde nicht ausreiche.

          Doch gab die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern einen bedenkenswerten Hinweis jenseits des Rechts: Der Name des Täters solle nie wieder genannt werden. Natürlich kann dieser Wunsch, den sie schon gleich nach dem Anschlag geäußert hatte, eine freie Presse nicht binden; es handelt sich auch nicht um eine Anweisung. Es lohnt sich aber zu fragen: Inwiefern muss man ausgerechnet den schlimmsten Massenmördern ihren Wunsch nach Öffentlichkeit erfüllen?

          Warum sollen ausgerechnet sie in den Geschichtsbüchern verewigt werden, in denen schon genug Unholde stehen? Nun muss über jede Untat berichtet werden. Aber auch mit Sinn und Verstand. So ist es auch sonst ein legitimes Ziel, etwaige Nachahmer nicht zu ermuntern. Den Terroristen die Bühne zu verweigern, die sie so dringend suchen und brauchen – auch das ist eine Höchststrafe.

          Reinhard Müller

          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

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