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Ursula von der Leyens Pläne : Unter einen Helm

Mit Horaz auf den Lippen stürmt niemand mehr in die Kaserne. Deswegen muss in der Bundeswehr nicht nur die Ausrüstung modernisiert werden.

          Wer die jüngsten Berichte über die Bundeswehr verfolgte, konnte den Eindruck gewinnen, die Armee der Deutschen bestehe nur aus altersschwachen Transportflugzeugen, pannenanfälligen Jagdbombern und falsch ausgerüsteten Schützenpanzern. Doch zwischen diesen Symbolen für ein langwieriges, extrem bürokratisches und überteuertes Beschaffungswesen tun Hundertausende von Soldatinnen und Soldaten Dienst, die ganz hervorragend „funktionieren“, und das nicht nur auf dem Kasernenhof. Doch auch dieser Teil der Erfolgsgeschichte der Bundeswehr ist gefährdet, und das zu einem Zeitpunkt, an dem die äußeren Bedrohungen für Deutschlands Sicherheit wieder zunehmen. An der Heimatfront muss die Freiwilligenarmee nämlich schon in Friedenszeiten kämpfen: um qualifizierten Nachwuchs auf allen Ebenen, den ihr in Zeiten schrumpfender Jahrgänge die freie Wirtschaft und die zivile Verwaltung streitig machen.

          Schon jetzt fehlen der Truppe Fachleute, die nötig sind, um die komplexer werdenden Waffensysteme zu bedienen und zu warten. Diesem Missstand soll das neue Attraktivitätsprogramm abhelfen. Die Einführung von Regelarbeitszeit und Teilzeitarbeit mag mancher alte Kämpe als unvereinbar mit dem traditionellen Soldatenbild ansehen. Doch die Wehrpflicht ist ausgesetzt und die Wahrscheinlichkeit gering, dass trotzdem ganze Abiturientenjahrgänge mit Horaz auf den Lippen die Kasernentore stürmen, um ihrem Vaterland zu dienen. Diejenigen, die das tun wollen, gehen in aller Regel zum „Islamischen Staat“.

          Offenkundig musste erst eine Frau an die Spitze des Verteidigungsministeriums gelangen, damit dort erkannt wurde, dass im 21. Jahrhundert Wehr- und Abschreckungsfähigkeit auch etwas mit Kindergärten in Kasernen zu tun hat. Noch zeigen aber muss die Ministerin, wie sie die Maßnahmen zur Verbesserung der Ausrüstung wie auch der „Arbeitsbedingungen“ unter einen Helm bringen will, ohne ihren Etat zu sprengen. Der Finanzminister will ihr nicht mehr geben, und er ist mit seinem Geiz nicht allein: Die „Friedensdividende“ spukt noch immer durch viele Köpfe. Doch wusste jeder, der etwas vom Militär versteht, dass eine Freiwilligenarmee nicht billiger wird. In den Regierungs- wie Oppositionsparteien hält sich freilich hartnäckig der Irrglaube, man könne auch sie so behandeln wie die Wehrpflichtigentruppe, die geduldig alles mitmachte, was die Politik ihr zumutete.

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